Pilgern und Geocachen auf dem Heiligen Berg Athos 4: Letzte Schritte auf dem Athos und ein TTF nach 4 Jahren


Uralte Klöster, geheimnisvolle Lost Places, kräfteraubende Touren und Geocaches, die einmal pro Jahr gefunden werden. Eine Woche lang entdeckten wir den Heiligen Berg Athos, erlebten mystische Liturgien gottergebener Mönche, trafen außergewöhnliche Menschen und lernten, dass man nichts besitzen und doch alles haben kann. Hier vergehen schonmal 1-2 Jahre bis zum FTF! Einige Caches wurden in 7 Jahren nur 7 mal gefunden.

Dies ist Teil 4 unserer Artikelserie „Pilgern und Geocachen auf dem Heiligen Berg Athos“. Teil 1 mit vielen Informationen rund um den Athos und einer Liste der verfügbaren Geocaches, findest du hier (Link öffnet in einem neuen Fenster).


Auf dem Weg nach Agiou Pavlou: Unterwegs an der Westküste

Agia Anna: Blick auf die Ägäis

Aufbruch in aller Frühe in der Skite Agia Anna

Ein weiterer Tag auf dem Heiligen Berg Athos bricht an. Uns steht heute eine vergleichsweise kurze Strecke von der Skite Agia Anna zum Kloster Agiou Pavlou bevor:

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Heiliger Berg Athos: Skite Agia Anna nach Kloster Agiou Pavlou

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Skite Agia Anna: 40.140270, 24.297080
Kloster Agiou Pavlou: 40.159525, 24.290557

 

Die Westküste des Athos ist deutlich stärker von Pilgern frequentiert, als die Ostküste an der wir bislang unterwegs waren. Die Pfade sind nicht ganz so abgelegen und die Anbindung der Klöster nach Dafni, der „Hauptstadt“ auf dem Heiligen Berg Athos, auf dem See- und Landweg ist vergleichsweise gut. Entsprechend sind die Klöster auch auf den Besuch größerer, zumeist griechischer, Pilgergruppen eingestellt, die häufig für einen oder zwei Tage von Ouranoupolis übersetzen, um zumindest einen Hauch des ganz besonderen Zaubers dieses Ortes zu erfahren.

Kloster Agiou Pavlou

Nach einem kurzen aber knackigen Marsch erreichen wir unser Ziel, das Kloster Agiou Pavlou.

Majestätisch eingerahmt in einer imposanten Gipfelkulisse thront das Kloster Agiou Pavlou auf einer Höhe von etwa 200 Metern im Schatten des Heiligen Berges. Es gehört zu den ältesten und auch größten Klöstern des Athos.

Agiou Pavlou

Kloster Agiou Pavlou

Seine Geschichte reicht mindestens ins 10. Jahrhundert zurück. Mit fast 500 Manuskripten und  über 12.000 Büchern beherbergt es eine der umfangreichsten Sammlungen historischer Dokumente auf dem Athos. Ohnehin ist die Schatzkammer des Klosters reichlich gefüllt. Zu den Kleinodien gehören u. a. Fragmente der Geschenke der Weisen an das Jesuskind, mehrere Reliquien von Heiligen, eine Gottesmutter-Ikone der Kaiserin Theodora, Priestergewänder, liturgische Geräte und viele unschätzbar wertvolle Ikonen.

Der Gastmönch empfängt uns mit Loukoumi, Wasser, einem griechischen Mokka und Anisschnaps. Den Raum schmücken Bilder und Fotos von Besuchern des Klosters aus unterschiedlichen Epochen. Darunter sind Prominente, Staatschefs und hohe Geistliche. An dieser Sammlung wird der Unterschied zwischen den Klöstern an der mystischen und geheimnisvollen Ostküste und den reichen und weltlicheren Klöstern der Westküste deutlich. Wir kommen mit einem griechischen Pilger, einem  Philologie-Professor aus Athen, ins Gespräch, der uns mit reichlich Wissenswertem rund um das Kloster versorgt.

Mit dem Tagesablauf auf dem Athos sind wir mittlerweile bestens vertraut. Fast schon instinktiv merken wir, dass es Zeit wird die Nachmittagsmesse zu besuchen und laufen zur Kirche. Kurz darauf erklingt auch das Sematron. Heute, am Sonntag, ist die Messe länger und umfassender als sonst. Wir lassen die Liturgie auf uns wirken.

Agiou Dionisiou: Ein peinlicher Moment und ein TTF 4 Jahre nach dem Publish

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Heiliger Berg Athos: Kloster Agiou Pavlou nach Kloster Agiou Dionisiou

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Kloster Agiou Dionisiou: 40.181890, 24.256783
Kloster Agiou Pavlou: 40.159525, 24.290557

 

Noch bevor die Sonne vollständig aufgegangen ist, befinden wir uns schon auf dem Weg nach Agiou Dionisiou. Erneut laufen wir an der Küste auf einem der schmalen Pfade entlang und bestaunen einmal mehr die herrlichen Aussichten.

Nach etwa 3 Kilometern erreichen wir das Kloster. Wir treten durch das große gußeiserne Tor ins Innere. Unser Blick trifft sich mit dem des Gastmönchs. Er ist gerade dabei Wäsche aufzuhängen und sichtlich überrascht uns zu sehen. „Warum seid ihr nicht in der Trapeza beim Essen?“ ruft er uns zu. Wir erklären ihm, dass wir gerade vom Kloster Agiou Dionisiou kommen. Er lächelt und führt uns zum Speisesaal.

Agiou Dionisiou

Agiou Dionisiou

Ein Mönch sitzt etwas erhöht auf einem Podest und rezitiert mit einem melodischen Vortrag aus der Bibel. Die anderen Mönche und Pilger sind vertieft in ihr Essen. Als wir eintreten sind alle Augen auf uns gerichtet. Das Essen ist Teil der Liturgie. Ohne den Gottesdienst zu besuchen einfach zum Essen zu gehen, ist nicht gerade das, was man auf dem Heiligen Berg Athos schätzt. Die Situation ist uns mehr als unangenehm.

Ein Mönch der für die Bewirtung zuständig ist kommt direkt auf uns zu und möchte uns zu unseren Plätzen führen. Gleichzeitig gibt er ein Handzeichen und drei andere Mönche decken schnell für uns ein. Dann passiert es. Aus Unachtsamkeit lassen wir die Eisentür zufallen. Sie fällt mit einem lauten Knall in den Türrahmen. Der Widerhall ist so stark, dass der Boden vibriert und der Vorleser unterbricht kurz seine Ausführungen. Stille ist im Raum. Einige Sekunden nur, doch wenn man in 30 entsetzte Gesichter schaut, sind auch wenige Sekunden eine Ewigkeit. Im Nachgang können wir über diese Situation lachen. In diesem Moment aber hätten wir im Erdboden versinken können.

Nach dem Essen stehen wir mit den anderen Pilgern vor dem Kloster. Sie alle wollen mit dem Boot zurück nach Dafni und im Anschluss von dort den Athos mit einem Schiff Richtung Ouranoupolis verlassen. Wir erfahren von einem Mönch, dass der Fußpfad nach Simonos Petras aufgrund von Sturmschäden derzeit nicht passierbar sei, sodass wir uns entscheiden ebenfalls das Boot zu nehmen und bis nach Simonos Petras zu fahren. Doch zuvor steht noch ein Geocache, der sich auf dem Klostergelände befinden soll, auf dem Programm. Während die anderen Pilger zum Hafen des Klosters strömen, gehen wir einen kleinen Umweg 😉

GC46KQ9 Agiou Dionisiou: Eine Suche gegen die Zeit

GC46KQ9„Agiou Dionisiou Monastery“ (GC46KQ9) hat leider ein kleines Manko: Er wurde seit 2 1/2 Jahren nicht mehr gefunden – im Listing stehen 2 DNFs. Gleichzeitig drängt die Zeit, denn am Horizont ist schon das Boot zu erkennen, das sich dem Hafen nähert…  zur Anlegestelle sind es zwar nur 150 Meter, doch wird das Boot nicht warten. Sobald der Letzte an der Anlegestelle an Bord ist, wird es wieder ablegen.

Die Suche gestaltet sich aufwendiger als gedacht und plötzlich taucht hinter der Mauer auch noch ein Mönch auf, der einen Esel mit sich führt. Der Mönch bleibt stehen, setzt sich auf die Mauer und beginnt, sich mit uns zu unterhalten. Das Boot nähert sich immer weiter dem Hafen. Alex gibt mir ein Zeichen – er scheint etwas entdeckt zu haben. Ich rede auf den Mönch ein und lenke ihn ab, während Alex an einer Stelle an der Mauer herumnestelt und sich dann entfernt. Kurz darauf kommt er zurück und hält den Daumen hoch. Ein Blick zum Hafen. Das Boot hat angelegt und die Pilger haben bereits begonnen einzusteigen. Hastig verabschieden wir uns von dem Mönch und spurten mit unseren 20 kg schweren Rucksäcken Richtung Hafen. Doch es scheint zu spät zu sein. Der Weg führt nicht geradewegs zum Hafen sondern macht mehrere Schleifen. Die Pilger sind nun alle im Boot. Jemand von der Besatzung zieht die Leinen ein. Wir legen nochmal einen Zahn zu… das ist unsere letzte Chance, heute hier wegzukommen. Das wird knapp! Tatsächlich sieht uns die Besatzung und wartet ab bis wir das Boot erreichen. Puuuh, nochmal gut gegangen.

Seit seiner Veröffentlichung im Februar 2013 wurde der Geocache nur von 2 Cachern gefunden. Wir haben risikiert, eine weitere Nacht im Kloster bleiben zu müssen, doch es hat sich gelohnt: Wann kann man schonmal 4 Jahre nach dem Publish einen TTF loggen? 🙂

Boot

Das Boot hat uns abgeladen und fährt weiter nach Dafni

Auf seinem Weg nach Dafni hält das Boot an einer kleinen Anlegestelle am Fuße einer hohen Klippe, auf der das Kloster Simonos Petras erbaut ist.

Als einzige Pilger steigen wir an dieser Stelle aus. Ein Blick hoch zum Kloster und uns wird klar, dass vor uns noch einige hundert Höhenmeter liegen.

Simonopetra Rast vor Aufstieg

Rast vor dem Aufstieg

Der steile Weg hoch zum Kloster zehrt jetzt sehr an den Kräften und den Energiereserven. Seit Tagen nehmen wir deutlich weniger Kalorien zu uns, als wir verbrauchen und schleppen in unseren Rucksäcken immerhin 20 kg mit. Schritt für Schritt nähern wir uns dem Kloster – eine sehr zutrauliche Katze begleitet uns ein Stück und macht den Aufstieg ein wenig angenehmer. Endlich! Wir stehen vor Simonos Petras.

Simonos Petras: Weltbekanntes Kloster mit einem ganz besonderen Mönchschor

Heiliger Berg Athos: Kloster Simonapetra

Simonos Petras

Viele wunderschöne und architektonisch beeindruckende Klöster haben wir auf unserer Reise gesehen. Simonos Petras jedoch ragt durch seine surreal anmutende Lage in mehr als 330 Metern Höhe auf einer steilen Felskuppe nochmal gesondert heraus. Es ist aufgrund seines exponierten Standorts auch das bekannteste aller Athos-Klöster und fast immer auf Bildern zu sehen, wenn irgendwo über die Mönchsrepublik berichtet wird.

Dem Heiligen Simon dem Athoniten soll, als Eremit in einer nahe gelegenen Höhle hausend, die Gottesmutter Maria erschienen sein und ihn dazu aufgefordert haben, ein Kloster an der steilsten Felsklippe zu errichten. Sie versprach ihm, dass seine Unternehmung – so unvorstellbar sie erscheinen mag – erfolgreich sein und dass sie selbst das Kloster von allen äußeren Einflüssen beschützen werde. Tatsächlich ist Simonos Petras seit seiner Erbauung im 13. Jahrhundert, anders als fast alle anderen Klöster des Athos, nie von Piraten geplündert oder Naturkatastrophen zum Opfer gefallen. Mehrere größere Brände gingen auf Versäumnisse der dort lebenden Mönche zurück. Die Heilige Maria hat ihr Versprechen bis heute gehalten. Simonos Petras ist der Geburt Christi geweiht.

GC29CN0 IM SIMONAPETRA: Ein Fiesling im Efeu

GC29CN0 IM SIMONASPETRA

GC29CN0 IM SIMONASPETRA

Der Tradi „IM SIMONAPETRA“ (GC29CN0) ist ein richtiger Fiesling. Ziemlich erschöpft vom Aufstieg suchen wir an vielen Stellen, in denen die Dose stecken könnte. Eine lange efeubewachsene Mauer… fast siegt die Müdigkeit und schwindet das Durchhaltevermögen, doch ohne Fund wollen wir nicht gehen. Ganz wohl fühlen wir uns dabei aber nicht und das liegt nicht an den Cachewächtern, mehreren Eseln, die mit Argwohn unsere Aktivitäten beobachten. Die Weinreben die sich an der Laube über der Mauer entlang ranken sprießen noch nicht und damit eröffnet sich ein fast ungeschützter Blick von den unzähligen und nicht zu überblickenden Fenstern des Klosters auf uns. Unauffällig filzen wir weiter die Mauer. Irgendwann wird die Mühe dann mit Erfolg belohnt. Wir halten den Cache in unseren Händen. 5 Funde in 7 Jahren, 2 Jahre bis zum FTF… es ist unser letzter Cache mit so einer abgefahrenen Fundstatistik, denn schon morgen werden wir den Athos wieder verlassen 🙁

Eine besonders stimmungsvolle Liturgie dank eines weltbekannten Mönchschors

Wir folgen dem Klang des Sematrons zu unserer letzten Messe auf dem Athos. Während wir die Kirche betreten und unsere Plätze einnehmen, können wir ihn schon hören. Den Mönchschor des Klosters, der sich durch die Veröffentlichung vieler byzantinischer Gesänge große Reputation erworben hat. Der Hymnus Agni Parthene ist der populärste aus dieser Sammlung, der dem Kloster weltweite Anerkennung eingebracht hat.

Die Gesänge lassen die Liturgie viel melodischer ablaufen als alles, was wir bislang erlebt haben und geben ihr einen ganz eigenen, ausdrucksstarken und stimmungsvollen Charakter.

Die Höhle des Simon

Die Pilgerzimmer in Simonos Petras befinden sich außerhalb der Klostermauern was den Vorteil hat, dass wir nach Schließung des Haupttors den warmen Frühlingsabend noch draußen verbringen können.

Um ein schönes Panorama des Klosters im Abendlicht zu sehen, laufen wir einige hundert Meter die Straße hoch. Auf dem Rückweg kommen wir an einer kleinen umfriedeten Kapelle vorbei in deren Fenstern ein Kerzenflackern zu sehen ist. Es ist die Kapelle, die an der Stelle errichtet wurde, an der die Höhle des Heiligen Simon, dem Erbauer des Klosters, verortet wird. Tatsächlich führt im Inneren der Kapelle ein Weg ins Felsmassiv. Es ist dunkel, wir können nicht viel erkennen. Wir zünden eine Kerze an und gehen zurück auf unsere Zimmer.

Simonapetra Abendstimmung

Letzte Begegnungen auf dem Athos – eine sehr weltliche.

Portrait Panos Skourletis

Panos Skourletis
Quelle: Wikimedia Commons

Der letzte Morgen unserer Athos-Reise ist gekommen. Wir haben uns entschieden mit dem Kleinbus mitzufahren, der die anderen Pilger nach Dafni bringen wird. Während wir mit allen anderen auf den Bus warten, fahren wei Geländewagen der Polizei und ein schwarzer SUV mit getönten Scheiben auf das Klostergelände. Nach einer Woche in der Abgeschiedenheit des Athos erscheint uns die Situation unwirklich – ein regelrechter Kulturschock. Zwei Polizisten treten heraus und werden von einem Mönch begrüßt. Gemeinsam gehen sie ins Klosterinnere. Kurze Zeit später kommen Sie wieder heraus, begleitet von einem Mann mittleren Alters mit kurzen grauen Haaren, der eine dicke Sonnenbrille trägt. Geordnet steigen sie in den Fahrzeugkonvoi und fahren davon.

Uns gehen 100 Gedanken durch den Kopf, wer das wohl gewesen sein mag. Ein anderer Pilger klärt uns auf: Es war Panos Skourletis, der griechische Minister für Wiederaufbau, Umwelt, Energie und Klimawechsel. Auch Minister brauchen wohl mal eine Auszeit.

Das klappern und rattern eines alten Busses, der sich die Sandpiste herunterquält reißt und aus der Szenerie. Es ist unserer! Er bringt uns zum Hafen. Das Abenteuer Athos endet hier!


Die weiteren Teile unserer Artikelserie „Pilgern und Geocachen auf dem Heiligen Berg Athos“ findest du hier:
Teil 1: Auf gehts ins Abenteuer
Teil 2: Iviron, Karakallou und ein Geocache samt Maler
Teil 3: Megisti Lavra und eine schmerzliche Entscheidung
Teil 4: Letzte Schritte auf dem Athos und ein TTF nach 4 Jahren


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