Cachen am Limit – Die verrücktesten Geocaches aller Zeiten

Wenn du bei eisigen -70 Grad Celsius ausharren, in der Todeszone auf über 8.000 Metern Höhe nach Luft schnappen oder Sprengfallen ausweichen musst. Dann ist Extreme-Geocaching angesagt! Es gab und gibt Caches, die verlangen einem alles ab. Mut, Durchhaltevermögen und Geschick. Nicht selten ist die Suche nach ihnen mit einem beträchtlichen Risiko für Leib und Leben verbunden. Und manchmal ist auch einfach unheimlich viel Geld notwendig, um diese Dosen loggen zu können. Wir haben sie für Euch rausgesucht. Die verrücktesten Geocaches aller Zeiten.

 

Nr. 8:  Im Schatten des roten Banners –  *** Forbidden country *** (GC2F0R6)

 

Flagge Nordkorea

Quelle: Wikimedia

Was haben Somalia, der Inselstaat Nauru und Nordkorea gemeinsam? Es sind die einzigen drei Staaten der Erde, auf deren Territorium kein Geocache versteckt ist. Dabei gibt es vor allem in Nordkorea einige Besonderheiten, die es fast unmöglich machen, dort zu cachen.

Das beginnt bereits mit dem freien Zugang zum globalen Internet der nur ganz wenigen Nordkoreanern, vor allem hochrangigen Regierungsmitgliedern, zur Verfügung steht. Geräte mit integriertem GPS-Empfang sind in Nordkorea verboten. Solltet Ihr es dennoch schaffen ein GPS-fähiges Smartphone ins Land zu bekommen und dort offline auf die zuvor auf dem Gerät gespeicherten Cache-Daten zugreifen können, steht Ihr vor dem nächsten Problem. Jedem Ausländer wird von der Regierung ein persönlicher Aufpasser zur Seite gestellt der jeden Eurer Schritte im Land penibel beobachtet. Wenn Ihr nun darauf hofft, dass dieser Euch vielleicht ja mit einem Hint behilflich sein könnte, habt ihr Euch auf ganz fatale Weise geirrt. Eher winken Euch eine Anklage wegen Spionage und im Anschluss einige Jahre in einem nordkoreanischen Gulag. Es ist also nicht verwunderlich, dass es in Nordkorea keinen Geocache gibt. Das war jedoch nicht immer so.

Am 15. August 2010 wurde den Tradi ***Forbidden country*** (GC2F0R6) gepublished, der sich mitten in Pjöngjang befinden sollte. Der Owner spagr will einen Nano im Zentrum des Kim Il Sung Platz, einem der wichtigsten Orte Nordkoreas, versteckt haben. Gleichzeitig schuf er die Möglichkeit, statt den vermeintlich versteckten Nano zu finden, Logbedingungen zu erfüllen, um die Dose als gefunden zu markieren.

Ob tatsächlich jemals ein Nano vor Ort deponiert wurde, ist mehr als fraglich. Die Koordinaten zeigen  mitten auf einen leeren Platz wo es offenbar überhaupt keine Versteckmöglichkeiten gibt. Hat der Owner mit diesem Trick etwa bewusst das Verbot umgangen, Virtuals zu publishen? Der Cache wurde am 21. September 2010, etwas mehr als einem Monat nach dem Publish von Groundspeak archiviert, ohne dass jemand anderes außer dem Owner selbst die Dose geloggt hat. Und damit hat spagr das geschafft, was er wohl von Beginn an vorhatte. Sich den Länderpunkt Nordkorea sichern. Als erster und bislang einziger Geocacher auf der Welt.

 

Nr. 7: Die Mutprobe – The Leap (GC16R4B)

Gefährlicher Spalt auf dem Weg zum Cache

Quelle: Geocaching.com

Im Indianerland, mitten in der Steppe Arizonas, etwa 120 Meilen nördlich von Phoenix liegt The Leap, die ultimative Mutprobe für Geocacher.

Um zur Dose zu gelangen müsst Ihr in einem unwirtlichen Gelände zuerst zahlreiche Abhänge, Klippen und riesige Felsbrocken überwinden, bevor Ihr vor der letzten und größten Herausforderung steht. Und die hat es in sich. Es handelt sich um einen etwa 1,5 Meter breiten Graben den Ihr überspringen müsst. Nicht viel mag man denken? Das stimmt sogar! Allerdings würde ein Absturz hier unweigerlich das Ende Eurer Geocaching-Karriere bedeuten. Die Fallhöhe beträgt nämlich rund 30 Meter. Unkonzentriertheit, ein Umknicken oder Ausrutschen auf dem unebenen Untergrund können fatale Folgen haben.

Die Abgeschiedenheit des Cache-Verstecks und der riskante finale Sprung auf den letzten Metern zur Dose sind sicher ein Grund dafür, dass „The Leap“ in über 10 Jahren nur neun Mal, also weniger als einmal pro Jahr, gefunden wurde.

 

Nr. 6: Wenn der Terror über das Land zieht – Ruins Of Palmyra (GC187M6)

Ruinen von Palmyra

Quelle: Wikimedia

Der Grund, wieso es diese Dose es in die Liste der verrücktesten Geocaches aller Zeiten geschafft hat, ist ein trauriger. Das Versteck liegt in der antiken Oasenstadt Palmyra, mitten in der Syrischen Wüste. Die Stadt war durch ihre strategisch wichtige Lage an der Seidenstraße einst eine luxuriöse Metropole. Herausragende Bauwerke wie der Baal-Tempel ebneten ihr im Jahr 1980 die Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterbestätten. Das Jahr 2015 jedoch veränderte die Stadt nachhaltig. Palmyra fiel in die Hände der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). In der Folge wurden etliche Bauwerke, darunter auch der Baal-Tempel, vom IS unwiederbringlich zerstört und die Stadt geplündert.

Ob der Cache, ein weißes Filmdöschen, heute noch an seinem Platz liegt, ist ungewiss. Der letzte Fund-Log stammt aus dem Oktober 2014, etwas mehr als ein halbes Jahr vor der Eroberung der Stadt durch den IS, aber bereits mitten in den Wirren des syrischen Bürgerkrieges. Der letzte Fund-Log vor Ausbruch des Krieges stammt vom 1. Mai 2011. Mittlerweile liegen Palmyra bzw. deren Überreste wieder im Herrschaftsgebiet der Syrischen Armee. Die Dose kann zwar grundsätzlich wieder gesucht werden. Dass dies in der Realität nicht so einfach ist, kann man dem Logbeitrag von Wendigo from Hell vom 13. März 2016 entnehmen:

„Vor Ort bekamen wir aber dann doch Angst da hier zu viele Leute unterwegs waren und man einfach nicht wusste was passieren wird.“ 

Hinzu kommt die Gefahr die von den Sprengfallen ausgeht, die vom IS in den Ruinen gelegt wurden. Dass das russische Militär bei der Räumung alle Minen entdeckt und entschärft hat ist nicht sicher. All das macht „Ruins of Palmyra“ zu einem der gefährlichsten Caches der Welt. Das Listing ist mittlerweile für Logs und Kommentare gesperrt. Es bleibt abzuwarten, ob der Reviewer es nochmal freigeben oder der Cache archivieren wird.

 

Nr. 5: Der verlorene Piratenschatz – Conch Shell Horn (GC105E)

Geocacheversteck unter einer Muschel

Quelle: Geocaching.com

Nicht der Cache selbst ist hier verrückt, sondern eher die Tatsache, dass er nun bereits seit 6.071 Tagen nicht gefunden wurde. Über 16 Jahre ist es her, als die Crew des Segelschiffs Chama (Jeff, Esther und Xander Courrier) am 10. Juli 2001 den Tradi Conch Shell Horn unter einer Muschelschale auf Morro Blanco versteckte. Seit diesem Tag wartet die Dose auf ihren FTF. Dabei deutet die D/T-Wertung (3/3) auf einen vergleichsweise einfachen Fund hin. Wieso wurde dieser Cache dann nach einer so langen Zeit noch nicht gefunden?

Der Grund ist die Abgeschiedenheit ihres Verstecks. Morro Blanco (die weiße Nase), ist ein karges und unbewohntes Eiland im Los Testigos Archipel etwa 100 Kilometer vor der venezuelanischen Küste im karibischen Meer. Planmäßig wird die kleine Insel von keinem Schiff angefahren. Will man die älteste bislang ungefundene Dose loggen, muss man sich selber ein Segelschiff chartern und auf eigene Faust das Eiland ansteuern. Dieser FTF ist also nichts für Landratten. Doch selbst wenn Ihr auf einem Schiff seid, dass Euch auf die Insel bringt, müsst Ihr das Eiland erstmal heil erreichen. Im Archipel Los Testigos wimmelte es schon zur Hochzeit der Piraterie im frühen 18. Jahrhundert von Freibeutern, die Handelsschiffe überfielen. Und auch heute noch läuft man Gefahr, Opfer eines Piratenangriffs zu werden. Also seid vorsichtig, wenn ihr Euch auf dem Weg macht, um diese prestigeträchtige Dose zu finden. Fraglich ist natürlich, ob sich das kleine Döschen nach 16 Jahren überhaupt noch an Ort und Stelle befindet. Gemuggelt worden ist sie sicher nicht. Hurrikans jedoch, die regelmäßig über dem karibischen Meer entstehen, könnten für den gleichen Effekt gesorgt haben. Es bleibt abzuwarten wie es mit Conch Shell Horn weitergeht.

 

Nr. 4: Versteckt im ewigen Eis – Antarctic Andy (GC25ZYN)

Vereistes Cacheversteck in der Antarktis

Quelle: Geocaching.com

Der südlichste jemals gepublishte Geocache der Welt ist im September 2015 nach acht Jahren ohne echten Fund archiviert worden. Antarctic Andy lag, wie der Name es bereits vermuten lässt, dort, wo nur eine Handvoll Menschen jemals hinkommen wird. Mitten in der lebensfeindlichen Umgebung  der Antarktis. Genauer gesagt hatte der Owner connies den Small in Ago-1, einer satellitengestützten Wetterstation aufgestellt durch das US-Amerikanische Antarktis-Programm, versteckt. Die Wetterdaten die Ago-1 liefert könnt ihr hier sehen und euch ein Bild von dem machen, was euch bei einem Besuch dieses Caches erwartet hätte. Leider hat der Owner den Cache vor zwei Jahren mit einer etwas merkwürdigen Begründung archiviert:

„I have been requested to archive this cache. Sadly, it has to do with the increasing number of people showing up on the Antarctic continent and leaving a trail of trash and destruction behind them.“

Jetzt aber nicht traurig sein. Den Länderpunkt Antarktis (ja, den gibt es wirklich!) kann man heute immer noch bekommen. Auf dem südlichsten und kältesten Kontinent liegen aktuell, was man nicht unbedingt vermuten würde, 26 aktive Geocaches. Und alle sind leichter zu loggen als Antartic Andy, der sich mitten im Nirgendwo befand bzw. eigentlich ja noch befindet.

 

Nr. 3: 20.000 Meilen unter dem Meer – Rainbow Hydrothermal Vents (GCG822)

Russisches U-Boot MIR I

Quelle: Wikimedia

Wolltet Ihr schon immer einmal in die Rolle von Kapitän Nemo schlüpfen? Dann ist dieser Cache genau der richtige für Euch. Um ihn zu erreichen braucht Ihr nämlich ein tiefseefähiges U-Boot. Der Cache liegt zwar keine 20.000 Meilen aber immerhin etwa 2,3 Kilometer tief im Nordatlantik unweit der Azoren. Der tiefste Cache der Welt ist es jedoch nicht. Der heißt Deep Gold (GC4W9H7) und befindet sich im Indischen Ozean, in etwa 2.430 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel.

Zurück zu Rainbow Hydrothermal Vents. Der Name der Caches ist gleichzeitig der Name eines an den angegebenen Koordinaten liegenden Naturwunders. Ein Feld von kleinen Unterwasservulkanen aus Schichtgestein, die sich in stetiger Eruption befinden. Solltet ihr also dort runtertauchen, habt ihr nicht nur die Chance einen absolut außerordentlichen Cache zu finden sondern erlebt auch ein unvergleichliches Naturschauspiel. Wie kommt ihr nun zur Dose? Entweder mit der Nautilus oder – wenn Ihr keine Platzangst habt – an Bord der russischen Forschungsboote MIR I oder MIR II. Buchbar ist die Tour für schlappe 25.000 USD bei DEEPOCEAN EXPEDITIONS, einem Anbieter von Erlebnisreisen aus dem niedersächsischen Lüneburg. Der Owner des Caches ist übrigens der bekannte Computerspiel-Entwickler und Abenteurer Richard Garriott.

 

Nr. 2:  Der gefährlichste Cache der Welt!
Earth’s Roof – Mount Everest Peak (GC2BX63)

Mount Everest Panorama

Quelle. Wikimedia

Der höchste Cache der Welt liegt, wie sollte es anders sein, auf dem Gipfel des höchsten Berges unseres Planeten, dem Mount Everest. Earth’s Roof – Mount Everest Peak ist jedoch keine physische Dose sondern ein Earthcache. Die höchste physische Dose derzeit, ein Tradi, ist Aconcagua – The White Sentinel (GC45E08)  auf dem Aconcagua in den argentinischen Anden auf etwa 6.900 Metern Höhe.

Aber zurück zum Cache auf dem Mount Everest. Gepublisht wurde er am 20.07.2010 vom Owner K!nder. Er ist nicht nur der am höchsten gelegene Cache der Erde sondern gelichzeitig wohl auch der gefährlichste. Bei ihrem Versuch das Dach der Welt zu erreichen kosteten vor allem in der sogenannten Todeszone Abstürze, Erfrierungen, Erschöpfung, Höhenkrankheit und Lawinen bereits fast 300 Menschen das Leben.

Bislang hat der Cache sechs Funde zu vermelden. Wie viele davon „echt“ sind, können wir nicht mir Gewissheit sagen. Zumindest der letzte Fund vom 10. September 2017 kann aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Welt der Märchen einsortiert werden. Am selben Tag bzw. an den Tagen zuvor hat der Finder auch Geocaches in den Niederlanden als gefunden markiert. Allerdings nimmt eine Everest Expedition inkl. der lebensnotwendigen Akklimatisationsphasen auf unterschiedlichen Höhen, etwa zwei Monate in Anspruch.

Wer von seinem Sofa aus zumindest einen entfernten Eindruck davon bekommen möchte, wie sich eine Expedition auf den höchsten Berg der Erde anfühlt, kann den Mount Everest völlig ohne Gefahr virtuell besteigen.

 

Nr. 1:  Beam me up Jeremy – International Space Station (GC1BE91)

ISS in der Erdumlaufbahn

Quelle: Wikimedia

Der wohl bekannteste Geocache in der Liste, ist gleichzeitig auch der Verrückteste. Nirgendwo anders als auf der Internationale Raumstation ISS liegt er versteckt, der erste und bisher einzige extraterrestrische Geocache überhaupt.

Gepublished wurde das weiterhin aktive Listing am 14. Oktober 2008. Der Owner wird euch bekannt vorkommen. Es ist derselbe, der auch mit „GCG822 Rainbow Hydrothermal Vents“ in der Liste der zehn verrücktesten Geocaches aller Zeiten vertreten ist, nämlich Richard Garriott. Bereits Garriotts Vater Owen hatte 1973 als US-Astronaut zwei Monate auf der ersten Raumstation „Skylab“ gelebt. Sein Sohn Richard ist der sechste Weltraumtourist seit 2001, der für seinen Trip rund 22 Millionen Euro zahlte.

Am 12. Oktober 2008 startete er an Bord des Raumschiffs Sojus TMA-13 vom Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation. Die Landung in der kasachischen Steppe erfolgte 12 Tage später an Bord von Sojus TMA-12. Und was macht man, wenn man als einer der wenigen Menschen in der Geschichte die Ehre hat ins Weltall zu fliegen? Klar! Man versteckt einen Geocache. Das Tradi Icon ist jedoch irreführend. Streng genommen handelt es sich bei diesem Cache um eine Mischung aus einem Virtual und einem Moving Cache. Denn zum einen liegt kein physisches Logbuch aus und zum anderen befindet sich die ISS ständig in Bewegung. Wo sich die ISS und damit auch der Cache derzeit befinden könnt ihr hier verfolgen.

Solltet ihr jemals diesen Cache loggen, stellt sich noch die Frage nach dem Länderpunkt. Hier gibt sich Groundspeak pragmatisch. Nicht etwa das Land über dem die ISS gerade schwebt wird Eurem Länderpunktkonto gutgeschrieben sondern Kasachstan wo der Weltraumbahnhof Baikonur liegt.

Wie kommt Ihr nun zur ISS um diesen außergewöhnlichen Cache zu loggen? Gar nicht! Wenn Ihr nicht gerade ein milliardenschwerer Erbe eines Industriemagnaten oder alternativ ein Selfmade-Internetmillionär seid, wird der Geocache auf der ISS immer ein Traum bleiben. Suchen könnt Ihr den Standort des Caches (Schließfach 218), der sich in der russischen Sektion der ISS befindet dennoch und zwar direkt hier bei uns:

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