Sri Lanka (1) – Der Beginn einer faszinierenden Tour durch ein unentdecktes Geocaching-Paradies

Sri Lanka – Unmittelbar über dem Äquator inmitten des milden Wassers des Indischen Ozeans gelegen, eilt der Insel der legendäre Ruf unbeschreiblicher Schönheit voraus, der bei vielen Menschen eine fast magische Anziehungskraft ausübt. Für Marco Polo war es die schönste aller Inseln auf der Welt die er bereiste. Diese kühne Behauptung, davon konnte ich mich auf meiner 13-tägigen Tour durch das Land selber überzeugen, gilt noch immer. Sri Lanka bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an natürlichen, kulturellen und geschichtlichen Höhepunkten. Ist die Küste von idyllischen – und oft erfrischend unerschlossenen – Stränden gesäumt, präsentiert das Landesinnere eine faszinierende Vielfalt an Landschaften. Ein wilder Dschungel im Tiefland mit ausgedehnten Populationen an Elefanten und Leoparden. In den nebligen Höhen des Hochlandes hingegen können seltene endemische Vogelarten beobachtet und spektakuläre Landschaften entdeckt werden. Dort wo Teepflückerinnen, in ihren leuchtenden Saris zwischen den Sträuchern stehen und den besten Tee der Welt pflücken.

Teepflückerin, Geocaching, Sri Lanka
Teepflückerin im sri-lankischen Hochland

So faszinierend wie die Natur Sri Lankas ist auch die Geschichte und Kultur dieses Inselstaates deren Zeugnisse, sich auf eindrucksvolle Weise im ganzen Land präsentieren. Die Insel kann auf eine bewegte, mehr als zweitausendjährige Vergangenheit zurückblicken. Die beiden großen ethnischen Gruppen Sri Lankas sind die Singhalesen und die Tamilen und ihre zwei dominanten Religionen der Buddhismus und der Hinduismus.

Trotz der räumlichen Nähe und kulturellen Verwandtschaft zum indischen Subkontinent, entwickelte der Inselstaat im Laufe der Zeit eine einzigartige Identität, die ihn letztendlich von seinen Nachbarn abhebt. Kulturelle Merkmale erlebten eine unabhängige Entwicklung. Der Buddhismus zum Beispiel verschwand praktisch aus Indien, blühte jedoch in Sri Lanka weiter auf, insbesondere unter den Singhalesen. Wichtig für die kulturelle Entwicklung war über Jahrhunderte auch die geographische Position der Insel, die sie zum Knotenpunkt wichtiger maritimer Handelsrouten zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien machte und dies lange vor der europäischen Entdeckung einer ozeanischen Route nach Indien im 15. Jahrhundert. Sri Lanka geriet ab dem 16. Jahrhundert unter europäischen Einfluss und unter die Kolonialherrschaft. Ceylon, wie Sri Lanka damals genannt wurde, errang am 4. Februar 1948 seine vollständige Unabhängigkeit wieder.

Goldene Buddhastatue Sri lanka Geocaching
Buddha ist in Sri Lanka allgegenwärtig

Geocaching in Sri Lanka – Ein unentdecktes Paradies

Derzeit gibt es in Sri Lanka insgesamt 48 aktive Geocaches. Nicht viele! Alleine bei einem Blick auf meine Homezone zähle ich mehr als doppelt so viele. Dafür sind jedoch die Orte, die einem mit den Dosen in Sri Lanka gezeigt werden fast immer von atemberaubender, ja paradiesischer, Schönheit oder von besonderem Interesse. Geocaching in Sri Lanka entspricht also noch viel mehr dem Urgedanken des Spiels, dem Cacher sehenswerte Orte zu zeigen, als es mittlerweile in Deutschland der Fall ist, wo alleine die schiere Menge der Dosen und die zunehmende Anzahl von Powertrails oder beispielsweise Angelcaches unser Hobby stetig verändern und weiterentwickeln. Einen weiteren Unterschied stellt die hohe Anzahl an Earth- und Virtualcaches im Verhältnis zu physischen Dosen dar, die häufig an ganz besonderen Orten platziert sind. Jeder Fund in Sri Lanka ist also auf seine eigene Weise ein kleines Highlight. Ein eigenständiges Ländersouvenir gibt es für Sri Lanka leider noch nicht. Das wird diesem wunderschönen und spannenden Land, trotz seiner vergleichsweise geringen Cache-Dichte, nicht gerecht. Denn cachen in Sri Lanka macht Spaß. Das kann ich bereits vorwegnehmen.

Geocachen Affe GPS Sri Lanka
Aufpassen sollte man überall in Sri Lanka auf sein GPS-Gerät 😉

Ein großer Teil der Geocacher geht mittlerweile mit dem Smartphone auf Dosenjagd. Der LTE-Empfang im Ausland ist, trotz der Möglichkeit von offline-Karten und offline gespeicherter Cachedaten, deshalb ein wesentlicher Punkt der die Spielattraktivität beeinflusst. Wenn ihr einen längeren Zeitraum im Land bleibt, solltet ihr auf eine SIM-Karte eines lokalen Anbieters zurückgreifen. Die Kosten der deutschen Anbieter in Sri Lanka sind teilweise sehr hoch.  Die zwei größten Mobilfunkanbieter vor Ort sind Dialog und der sri-lankische nationale Kommunikationsprovider Mobitel. In vielen Foren und Blogs wird immer wieder zu Dialog geraten. Bei meiner Ankunft auf dem Flughafen von Colombo machte ich mich deshalb direkt auf den Weg zum Stand von Dialog. Die Schlange davor war jedoch groß und es ging nur sehr langsam voran. Um drei Uhr nachts nach dem langen Flug war meine Geduld, wie man sich vorstellen kann, nur wenig ausgeprägt. Also switchte ich zum Stand von Mobitel. Hier ging alles schneller und schon bald hatte ich für kleines Geld eine SIM-Karte dieses Anbieters in meinem Smartphone. Der Mitarbeiter vor Ort stellt euch alles ein und erklärt auch wie man am günstigsten nach Deutschland telefoniert. Ich habe zwar bis zu meinem Abflug das Tarifsystem in Sri Lanka nicht wirklich verstanden aber trotz regelmäßiger Anrufe nach Deutschland und einer vergleichsweise hohen Nutzung mobiler Daten, reichte das Startguthaben bis zum Ende meiner Tour aus. Mit Mobitel hatte ich während meines gesamten Aufenthalts in Sri Lanka fast lückenlosen LTE-Empfang. Entsprechend kann ich Mobitel für die Orte und Provinzen die ich besucht habe uneingeschränkt empfehlen. Die Stände beider Mobilfunkanbieter am Flughafen sind übrigens rund um die Uhr besetzt. Ihr könnt also direkt nach der Landung eine lokale SIM-Karte kaufen unabhängig davon wann ihr in Sri Lanka ankommt. Solltet ihr euer Guthaben mal aufladen müssen, finden sich in allen größeren Städten und Siedlungen Zweigstellen der Anbieter, in denen dies möglich ist.

Für Android Nutzer die auf Nummer sicher gehen wollen kann ich des Weiteren die Offline Karte „Map of Sri Lanka offline“ empfehlen. Sollte cgeo mal spinnen oder ihr wider Erwarten doch keinen Empfang haben, könnt ihr mit dieser Offline-Karte weiterhin auf Cachesuche gehen, wenn ihr die entsprechenden Koordinaten der Dose zur Verfügung habt. Im Übrigen haben nahezu alle Guest Houses und Hotels WLAN Zugänge mit zufriedenstellender Bandbreite. Aus technischer Sicht ist Geocaching in Sri Lanka also auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland möglich.

Die Tour beginnt in den Höhlentempeln von Dambulla

Buddha Höhlentempel Dambulla Geocaching

Meine erste Station in Sri Lanka mache ich in der etwa 150 Km nordöstlich der Hauptstadt Colombo gelegenen und für ihre buddhistischen Höhlentempeln bekannten Stadt Dambulla. Dambulla selbst ist keine Augenweide. Wie viele Städte in Sri Lanka wirkt der Ortskern sehr hektisch und ist laut. Es ist jedoch ein hervorragender Ausgangspunkt zur Erkundung der vielen kulturellen Highlights im sri-lankischen goldenen Kulturdreieck zwischen den historischen Städten Anuradhapura und Polonnaruwa, der Felsenfestung Sigiriya und der Königsstadt Kandy.

Meine Unterkunft habe ich bereits in Deutschland gebucht. Ich bin für vier Nächte im Guesthouse „Dambulla Sun VSH Holiday“* zu Gast. Eine sehr warmherzige Familie empfängt mich vor Ort. Das Guesthouse liegt am Rande eines großen Gartens direkt neben dem Haus der Eigentümer. Die Umgebung wirkt sehr sicher. Der Sohn der Familie Udayah bietet einen preiswerten Fahrservice an.

*Bei allen Verlinkungen im Bericht handelt es sich nicht um Affiliate-Links an denen ich bei der Buchung etwas verdiene. Wenn ich Unterkünfte usw. verlinke dann deshalb, weil ich sie ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann.

Reis und Curry Geocaching Sri Lanka
Leckeres Reis und Curry ist DAS Gericht in Sri Lanka

Das Essen ist hervorragend. Man erhält für einen günstigen Preis beste sri-lankische Hausmannskost zubereitet von der Mutter. Überwiegend ist das Curry und Reis (wie so häufig in Sri Lanka). Täglich frisch zubereitet. Einmal erwähne ich beiläufig Halapa, eine in Kanda Blättern gedämpfte Süßigkeit aus rotem Hirsemehl, Kokosmehl und Jaggery (Palmzucker). Am nächsten Morgen habe ich es auf dem Tisch. Kleinen Aufmerksamkeiten  mit großer Wirkung. Zum Frühstück erhalte ich regelmäßig Besuch von einer etwa 20 köpfigen Affengruppe, die in den Bäumen, am Boden und auf dem Dach des Guest Houses Radau macht. Ein unterhaltsames Schauspiel, dass ich sehr genieße. Ein Waran läuft plötzlich durch den Garten und Indische Palmhörnchen springen vor mir umher. Spätestens zu diesem Zeitpunkt weiß ich, dass ich mich in Sri Lanka zwar gerade in einer Stadt, aber irgendwie auch gleichzeitig im Dschungel befinde. 

Meinen ersten Cache in Sri Lanka und den entsprechenden Länderpunkt will ich direkt am Tag meiner Ankunft angehen. Die Koordinaten des Earthcaces „Dambulla Rock Temple (GC1PPN2)“ werden mich zu den atemberaubenden Höhlentempeln von Dambulla führen. Trotz des langen Flugs reichen zwei Stunden Mittagsschlaf aus. Die Neugier auf die, weit über Sri Lanka hinaus bekannten, Höhlentempeln auf dem Gipfel eines Felsenbergs mit ihren farbenprächtigen Buddha- und Königsstatuen und kunstvollen Fresken ist größer als die Müdigkeit. Der Länderpunkt Sri Lanka motiviert zusätzlich. Der  Zugang zum Tempel liegt fußläufig gerade mal 20 Minuten vom Guest House entfernt. Das ist eine gute Möglichkeit etwas die Gegend zu erkunden. Ich schlage mich ein Stück durch den wilden und für Europäer völlig intransparenten Straßenverkehr. Tuk Tuks, Autos, Motorräder und Busse kämpfen hier tagtäglich um jeden freien Meter der Straße.

Ein Stückchen weiter dann lande ich plötzlich in einem Idyll. Eine kleine Palmeninsel auf einem See. Das kommt unerwartet. Gerade noch der Straßenlärm und die Hektik, jetzt Ruhe und eine meditativ wirkende Szenerie. Mein Weg wird von mehreren Rindern versperrt, die hier grasen. Etwas Lärm und ein beherztes Zugehen auf sie reicht aus. Sie treten zur Seite und ebnen mir den Weg. Nun warten 364 Treppenstufen erklommen zu werden, um auf den 160 Meter hoch gelegen Tempelkomplex zu gelangen. Im Rückblick eine lachhaft kleine Anzahl an Stufen. Wer jemals auf den Sigiriya Felsen aufgestiegen ist, wird wissen was ich meine. Bei über 30 Grad im Schatten kann man aber bereits hier -im wahrsten Sinne des Wortes- von einem schweißtreibenden Aufstieg sprechen. Die Mühe lohnt sich. Oben angekommen erwartet mich ein erster atemberaubender Ausblick auf die Ebenen des Dambuller Umlands.

Unweit des Haupteingangs des Tempels sitzen, in einem kleinen Bretterverschlag, zwei ältere Einheimische. Es sind Shoekeeper, die sich meinen Tretern für ein kleines Entgelt annehmen. Wie auch in anderen Kulturen üblich, werden vor dem Tempelbesuch nicht nur die Schuhe ausgezogen, sondern ebenfalls die Kopfbedeckungen abgesetzt. Es sollte darauf geachtet werden, dass besonders die Schultern und Oberschenkel von Kleidung umhüllt sind. Ich bin nun bereit durch das Haupttor den weltberühmten Höhlentempel zu betreten, der auch heute noch aktiv für buddhistische Rituale genutzt wird.

Es ist der größte und am besten erhaltene Höhlentempelkomplex in Sri Lanka. In der Umgebung gibt es mehr als 80 dokumentierte Höhlen. Die meisten und schönsten kulturellen Zeugnisse verteilen sich jedoch auf fünf Höhlen, die alle auf dem von mir besuchten Tempelkomplex liegen. Ihre Statuen und Wandgemälde, die das Leben und die Lehren von Gautama Buddha darstellen, sind von unschätzbaren Wert und ebneten dem Höhlentempel von Dambulla im Jahr 1991 den Weg zum UNESCO-Welterbe. Zu sehen sind  insgesamt 153 Buddha-Statuen, drei Statuen von sri-lankischen Königen und vier Statuen von Göttern und Göttinnen. Die ältesten Buddha-Malereien in der Tempelanlage datieren über 2000 Jahre zurück.

Um die Aufgaben des Earthcaches zu erfüllen muss man den Hauptkomplex mit den fünf Höhlen betreten. Für den Besuch fällt ein Ticketpreis in Höhe von 1500 Sri Lanka Rupien (RS) an (ca. 7,50 Euro). Der Eintrittspreis lohnt  sich und das nicht nur fürs Geocaching. Was man vor Ort an kulturellem Erbe zu sehen bekommt ist unbeschreiblich. Die Aufgaben des Earthcaches lassen sich vergleichsweise einfach lösen. Einzig für das im Listing genannte X brauche ich eine Weile. Ich beobachte eine Horde Affen die sich für ihre Siesta das hohe Felsmassiv über den Höhlen ausgesucht haben. Sie bringen mich auf die richtige Fährte. Der Earthcache ist gelöst!

Nach dem Besuch des Tempel spaziere ich auf einem alternativen Weg wieder hinab ins Tal. Dieser mündet im Goldenen Tempel von Dambulla, ein um die Jahrtausendwende neu errichteter Bau, dessen Herzstück ein riesiger, 30 Meter hoher, über alles thronende vergoldete Buddha in sitzender Position ist. Durch das Maul eines riesigen Löwen gelangt man in ein buddhistische Museum. Ich verzichte heute darauf. Die Müdigkeit nach dem langen Flug meldet sich zurück.

Der Besuch des Höhlentempels von Dambulla war grandios. Ich bin immer noch fasziniert von dem, was ich dort gesehen habe. Als i-Tüpfelchen noch den Länderpunkt gesichert. Was ein Start in die Sri Lanka Tour!

Cachen auf dem Löwenfelsen – Pidurangala und Sigiriya

Löwenfels - Sigiriya - Geocaching Sri Lanka
Der Löwenfels – Sigiriya

Das laute Klingeln des Smartphones reißt mich aus dem Schlaf. Ich blicke müde auf das viel zu helle Display. Es ist vier Uhr in der Nacht. Normalerweise würde ich mich jetzt wieder in meine Decke einmummeln und weiterschlafen. Doch heute nicht! Noch vor Tagesbeginn möchte ich den riesigen über 200 Meter hohen Monolithfelsen Pidurangala bestiegen haben, um von dort den Sonnenaufgang mit dem einzigartigen  Blick auf den benachbarten Löwenfelsen Sigiriya zu erleben. Der Sigiriya Felsen steht wie kaum ein anderes Wahrzeichen für Sri Lanka. Fast immer erscheint er auf Bildern und Anzeigen die für das Land werben. Imposant erhebt er sich mit seiner einzigartigen Form aus der überwiegend flachen Dschungellandschaft in die Höhe. Sigiriya selbst steht für heute ebenfalls auf dem Plan. Nicht zuletzt wegen einem Earthcache und einem Virtual auf seinem Gipfel.

Pidurangala Geocaching Sri Lanka Buddha
Der liegende Buddha läutet das letzte Stück auf den Weg zum Gipfel des Pidurangala ein

Die Fahrt von Dambulla zum Pidurangala dauert etwa 30 Minuten. Vor Ort trudeln immer wieder Tuk Tuks ein, die -überwiegend junge- Wanderer zum Felsen bringen. Für den Aufstieg in der Nacht ist auf jeden Fall eine Taschenlampe mitzunehmen. Nur einige Stellen des Weges, der überwiegend aus in den Fels gehauenen Treppenstufen besteht, ist beleuchtet. Der gut begehbare Teil des Waldwegs endet vor einem liegenden Buddha. Etwas weiter führt ein Trampelpfad auf die Spitze des Felsens. Man muss kein Bergsteiger sein, um den Gipfel zu erklimmen. Aber gerade nachts ohne ausreichende Ausleuchtung ist dieses letzte Drittel des Aufstiegs nicht zu bewältigen, ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen und ohne Acht zu geben, dass man sich nicht den Fuß in einer der Felsspalten bricht oder unglücklich abrutscht und zwei bis drei Meter in die Tiefe fällt. Wenn man beherzt an die Sache herangeht, ist das Risiko das etwas passiert jedoch sehr gering. Am Tag sieht die Stelle auch deutlich unspektakulärer aus als in der Nacht. Das verhindert heute jedoch nicht, dass eine junge französische Gipfelstürmerin sich nicht traut die Klettereinlage zu wagen und in Tränen ausbricht. Auf so einer Tour wird aber zusammengehalten und niemand wird zurückgelassen. Sofort positionieren wir uns um die junge Französin und sichern ihren Aufstieg ab. Geschafft! Wenn ihr mal in der Nacht auf den Pidurangala steigen solltet, achtet etwas auf die Menschen um euch herum und reicht ihnen die Hand bzw. helft ihnen, wenn ihr bemerkt, dass diese keine routinierten Wanderer sind. Es ist ein tolles Gefühl, wenn alle oben ankommen und man gemeinsam die ersten Augenblicke des neuen Tages genießen kann.   

Leider verhindern die Wolken heute einen wirklich schönen Sonnenaufgang. Dennoch ist der Blick von hier oben auf den Sigiriya Felsen einfach großartig. Was mich irritiert sind die streunenden Hunde auf dem Gipfel. Wie sie die Felsen überwinden bleibt mir ein Rätsel. Beim Aufstieg haben wir noch einen kleinen Welpen gesehen, der verloren auf einem Felsvorsprung saß und weder vor noch zurück konnte. Total verängstigt schaute er auf die Menschen, die an ihm vorbei liefen. Einer aus der Gruppe fasste sich ein Herz, packte den kleinen Racker und trug ihn hoch, um ihn im Anschluss wieder ins Tal zum Kloster zu bringen. Mein persönlicher Held des Tages! Einen Cache gibt es hier oben nicht. In meinem Blickfeld jedoch der Sigiriya mit seinem Earthcache und dem Virtual. Da möchte ich jetzt hin!

Sigiriya Geocaching Sri Lanka
Sigiriya vom Pidurangala aus gesehen

Etwa einen Kilometer beträgt die Wegstrecke vom Pidurangala zum Löwenfelsen Sigiriya. Es ist noch früh und die Temperaturen liegen bei angenehmen 20 bis 22 Grad. Dort angekommen mag ich meinen Augen nicht trauen. Während am Pidurangala heute Morgen etwa zwei Dutzend Personen den Felsen hinaufgeklettert sind und es entsprechend einsam und ruhig auf dessen Gipfel war, stehe ich jetzt, am Fuße von Sigiriya, plötzlich vor einem großen Parkplatz mit Reisebussen, dutzenden Vans und noch mehr Tuk Tuks, die Touristen in Massen zum Felsen führen. Ich hätte es erwarten müssen. Sigiriya ist das bekannteste Wahrzeichen Sri Lankas und übt eine wahnsinnige Anziehungskraft auf die Menschen aus. Gleichzeitig verfügt Sigiriya über eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Ein großes Informationszentrum mit angeschlossenem Museum, Sanitäre Anlagen, Souvenirstände, ein Cafe und gut ausgebaute Stahltreppen, die den Aufstieg zum Gipfel deutlich komfortabler gestalten als es in Pidurangala der Fall war. Das einzige was man selber mitbringen muss ist etwas Kondition und -wenn man zur Mittagszeit anreist- genug Sonnencreme, um nicht von der Sonne dahingebruzzelt zu werden.

Treppen zum Gipfel von Sigiriya Geocaching Sri Lanka
Treppen zum Gipfel von Sigiriya

Das aus Magma eines erloschenen Vulkans gebildete Felsplateau von Sigiriya liegt 200 Meter höher als der umliegende Dschungel. Der Festungskomplex umfasst Reste eines zerstörten Palastes, der von einem umfangreichen Netz von Befestigungsanlagen, weitläufigen Gärten, Teichen, Kanälen, Gassen und Brunnen umgeben ist. Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die felsige Hochebene von Sigiriya als Kloster genutzt. Die Geschichte von Sigiriya in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts klingt wie ein Krimi: König Kassapa riss im Bruderkampf den Thron an sich und mauerte seinen Vater lebendig ein. Um vor Angriffen seines Bruders geschützt zu sein, errichtete er die Festung auf dem Löwenfelsen. Nach seinem Tod wurde Sigiriya bis zum 14. Jahrhundert wieder ein buddhistisches Kloster.

Der Aufstieg dauert etwa zwei Stunden und geht nahezu durchgängig über die an den Felsen montierte Stahltreppe. Etwa auf halber Höhe kann ich einen Blick auf die Spiegelwand werfen deren Putz zu Lebzeiten des Königs auf Hochglanz poliert wurde und in der er sich selber betrachten konnte. Dann stehe ich vor den weltbekannten Fresken der Wolkenmädchen, die König Kassapa von den besten Künstlern seiner Zeit in leuchtenden Farben in den Fels malen ließ. Fotografieren darf ich die Fresken jedoch nicht. Die Angst, dass Blitzlichter zu weiteren Beschädigungen der Fresken führen könnten, haben die Behörden veranlasst ein generelles Fotografieverbot über die Wolkenmädchen zu verhängen.

Wolkenmädchen Sigiriya Sri Lanka Geocaching
Die Wolkenmädchen von Sigiriya Quelle: Schnobby Lizenz: wikimedia

Weiter oben auf dem Vorplateau des Gipfels erwartet mich dann auch endlich der erste Cache des Tages und einer von zwei Caches auf Sigiriya. „On Sigiriya Rock (GCGRR6)“ ist ein alter Virtual aus dem Jahr 2003. Ein historischer Cache an einer wahrlich historischen Location. Wie bei vielen Caches in Sri Lanka ist der Owner kein Einheimischer. Mhfares stammt aus Saudi-Arabien ist aber bis heute noch ein aktiver Geocacher und seit den Anfängen des Spiels dabei. Seine älteste gelegte Dose stammt aus dem Jahr 2002. Die Fragen des Earthcaches lassen sich vor Ort vergleichsweise einfach beantworten. Die überall in Sri Lanka vorkommenden Hutaffen sind dabei als Cachewächter dauernd an meiner Seite.

Kurze Zeit später erreiche ich den Gipfel von Sigiriya. Oben angekommen lasse ich erstmal meinen Blick über eine weitläufige, wunderschöne und immergrüne Dschungellandschaft schweifen die mir zu Füßen liegt. Zu sehen ist auch der Pidurangala auf dem ich noch vor einigen Stunden selber stand und auf meinen jetzigen Standort blickte. Ich laufe durch den alten Ruinenkomplex. Wirklich beeindruckend. Die Konstruktion eines solch monumentalen Bauwerks auf einem von Natur aus schwer zugänglichen Felsmassiv das 200 Meter über der umgebenden Landschaft liegt, benötigte gewiss sehr fortschrittliche architektonische und   technische Fähigkeiten der alten sri-lankischen Kulturen.

Hier vor dieser beeindruckenden Kulisse liegt der Earthcache „Sigiriya Rock – The Lion Mountain (GC1MCV5)“. Eine der beiden Fragen dieses Earthcaches ist für mich nicht eindeutig. Auf Grundlage der Infos die ich vom Besuch des Sigiriya-Museums mitgenommen habe und derjenigen, die ich auf einem Faltblatt zu lesen bekomme das mir mit den Tickets ausgehändigt wurde, denke ich aber dem Owner eine passende Antwort geben zu können. Kurz darauf entdecke ich auch hier oben wieder Hunde! Es ist mir ein Rätsel warum die Vierbeiner diesen anstrengenden Aufstieg auf sich nehmen und hunderte von Treppenstufen erklimmen um auf einem Felsplateau zu liegen, das kaum Schatten bietet und in der Mittagssonne eine starke, fast unerträgliche, Hitze entwickelt. Der Besuch von Sigiriya endet. Mit vielen neuen Eindrücken geht es zurück ins Guest House.

In einigen Reiseblogs wird von einem Besuch von Sigiriya abgeraten. Man solle stattdessen lieber auf den Pidurangala steigen. Zum einen sei dieser deutlich günstiger und zum anderen viel entspannter, da Sigiriya touristisch überlaufen wäre. Beides stimmt! Kostet der Aufstieg auf den Pidurangala je nach Wechselkurs gerade mal 2,50 Euro muss für Sigiriya das Zehnfache auf den Tisch gelegt werden. Zudem muss man sich Sigiriya mit unzähligen anderen Besuchern teilen! Aber! Es handelt sich um zwei unterschiedliche Erlebnisse. Während man auf dem Piduranagla vor allem eine tolle Aussicht genießen kann, bekommt man auf und rund um den Löwenfelsen Sigiriya insgesamt mehr geboten. Zum einen ist im Ticketpreis auch der Besuch des Museums inbegriffen, in dem man einiges zur Geschichte der Felsenfestung lernt, zum anderen kann man auf dem Massiv selbst auch die berühmte Spiegelwand, die Fresken der Wolkenmädchen und auf dem Gipfel die Ruinen der alten Königsfestung sehen. Solltet ihr genug Zeit und etwas Kondition haben, würde ich euch deshalb empfehlen beide Felsen zu besteigen.

Ein Geocache an einem Stausee und eine besondere Verbindung nach Deutschland

Geocaching Sri Lanka Lupus Hyacintho
Beim Loggen von GC48Q9K

Auf dem Weg ins Guest House steuere ich noch einen weiteren Cache an. Es soll die erste physische Dose in Sri Lanka werden. Der Tradi „Ibbankatuwawewa Dam (GC48Q9K)“, so hatte ich im Vorfeld im Listing gelesen, soll an einem Baum in unmittelbarer Nähe des Uferbereichs des Ibbankatuwawewa Sees versteckt liegen.

Vor Ort zeigen die Koordinaten auf einen Hof, der zwar frei zugänglich ist und als eine Art Parkplatz dient, der aber ganz offensichtlich auch Privatgelände zu sein scheint. Ich zucke mein Smartphone und starte die Suche. Plötzlich tritt ein Mann aus einer Tür des Hauses, zu dem das Gelände auf dem ich gerade herumturne offenbar gehört. Sein Grinsen lässt mich ahnen, dass er etwas mit der Dose zu tun hat. Er kommt auch direkt auf mich zu, zwinkert und fragt ob ich etwa suchen würde. „Klar suche ich was und ich bin mir sicher, dass Du mir dabei helfen kannst es zu finden!“ „Schau dich um!“ erwidert er und kurz darauf halte ich die Dose tatsächlich in meinen Händen.

Zum Loggen werde ich an einen Tisch gebeten. Dann kommt auch seine Frau dazu. Dass die beiden Geocacher sind, hätte ich jetzt nicht gedacht. Sind sie auch nicht. Die eigentliche Ownerin der Dose ist die junge Tochter des Hauses. Ein schöner Zufall will es, dass diese in Deutschland lebt und dort studiert. Als sie hören dass ich auch aus Deutschland nach Sri Lanka gereist bin, versuchen sie telefonischen Kontakt zu ihrer Tochter herzustellen damit wir ein paar Worte miteinander plaudern können. Leider gelingt das nicht. Ich logge den Cache und lege dort zwei ganz besondere Travelbugs ab. Da meine beste Freundin in Deutschland einen Sri Lanker geheiratet hat und in aller erster Linie ihre Homecoming-Feier in einer Woche der Grund ist wieso ich bereits so früh im Jahr in den Süden Asiens gereist bin, schicke ich zwei Travel Bugs auf den Weg, die diesem Ereignis gewidmet sind. Sie sollen eine Weile in der Welt umherreisen und sich hoffentlich irgendwann wieder in Deutschland in einem Cache begegnen und dort von mir eingesammelt werden. Ich unterhalte mich noch eine Weile mit den beiden netten Cachewächtern. Dann wird es Zeit nun wirklich zurück ins Guest House zu gehen. Curry und Reis warten!

Cachen in den Ruinen von Polonnaruwa und die Segnung des Shiva-Mönchs

Sri Lanka Geocaching Polonnaruwa
Die Vatadage in Polonnaruwa. Sie enthielt wahrscheinlich einst eine Reliquie.

Das heutige Ziel meiner Sri Lanka Tour ist ein wahrlich faszinierender Ort. Es ist die antike Stadt Polonnaruwa, die etwa 70 Kilometer östlich von Dambulla liegt. Nachdem Sri Lanka über 1.400 Jahre von Anuradhapura  aus regiert wurde, fiel die Stadt und das Königreich Anuradhapura im Jahre 1017 an den Chola-König RajaRaja. Die Cholas verlegten die Hauptstadt nach Polonnaruwa und regierten von dort aus Sri Lanka. Die neue Stadt war von Beginn an eine kosmopolitische Mischung aus südindisch-hinduistischen und singhalesisch-buddhistischen Kulturen. König Vijayabahu I (1055–1110) vertrieb die Cholas 1073 von der Insel, behielt aber Polonnaruwa als seine Hauptstadt bei. Vierzig Jahre blutiger Bürgerkrieg folgten seinem Tod, bis im Jahre 1161 Parakramabahu I. Polonnaruwa zurückeroberte und die Kontrolle über die gesamte Insel übernahm. Parakramabahu gilt als der letzte große König von Sri Lanka. Um 1293 wurde Sri Lanka erneut von Söldnern aus Südindien überfallen und die Stadt Polonnaruwa wurde im Dschungel aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

Heute ist diese antike Stadt ein beeindruckendes Zeugnis der bewegten Vergangenheit Sri Lankas. Auf einem Areal von fast 3,3 km² erstreckt sich ein Komplex weitgehend sehr gut erhaltener Gebäude mit Tempeln, Wohnhäusern, Bädern und dem alten Königspalast.

Am besten lässt sich Polonnaruwa mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Fahrräder kann man vor Ort ausleihen und auch ich mache Gebrauch davon. Während sich an den Hotspots, dem königlichen Palastkomplex und dem „Sacred Quadrangle“, sehr viele Touristen tummeln, hat man viele Ecken der Stadt ganz für sich alleine. Ich biege immer wieder in die kleinen Nebenstraßen ab. Dort entdecke ich alte und gut erhaltene Tempelanlagen, die ich mir nur mit den dort umhertollenden Affen teilen muss. Ich lasse die Ruinen auf mich wirken. In einem etwas abgelegenen Teil von Polonnaruwa entdecke ich dann einen alten hinduistischen Tempel. Ich trete näher und werde Zeuge einer hinduistischen Zeremonie. Ein Priester nutzt die alte Tempelanlage für seine Rituale. Als er mich sieht ruft er mich zu sich. Zumindest deute ich seine Handbewegung so. Ich trete vorsichtig näher. Seine Gesten interpretieren ich als Einladung an mich eine Segnung zu erhalten. Ich stimme zu. Der Priester beginnt mit dem Ritual. Er ruft mit singender Stimme den Gott Shiva an, führt mit seinen Händen einige Bewegungen in der Luft durch und streicht mir mit dem Daumen über die Stirn. Gerade habe ich ein Tilaka, ein Segenszeichen, auf meine Stirn erhalten. Ein beeindruckender Moment. Ab jetzt werde ich die Göttin Shiva für den Rest des Tages mit mir tragen. Im Anschluss sitzen wir noch eine ganze Weile gemeinsam vor dem Tempel. Ich bedanke mich bei ihm, spende etwas in den Altar und verabschiede mich.

In Polonnaruwa will ich aber natürlich auch cachen. Hier liegt der Earthcache „Rock Shelter Gopala Pabbatha“ (GC4TVED). Dieser befindet sich in der Nähe der Überreste des alten Krankenhauses der Stadt. Vor Ort finde ich eine interessante Felsformation vor, die den Namen Gopala Pabbatha trägt und in der Vergangenheit wohl als kleines Höhlenkloster genutzt wurde. Die Höhlen enthalten zwei Brahmanen-Inschriften die bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen und sind damit die  ältesten Funde auf dem Stadtgelände von Polonnaruwa überhaupt. Das Areal um den Cache herum ist jedoch menschenleer. Erst wundere ich mich dann wird mir klar, das nichts auf diesen Ort hindeutet. Weder in den Touristeninformationen war davon zu lesen noch lenken Schilder oder Hinweistafeln Besucher hierher. Dank Geocaching jedoch stehe ich nun davor und versuche die Antworten auf die im Listing gestellten Fragen zu finden. Die Fragen zu dem Earthcache erschienen beim ersten Durchlesen am Vorabend noch sehr einfach. Vor Ort jedoch tue ich mir schwer. Es dauert sehr lange bis ich die Stellen gefunden habe, die halbwegs plausible Informationen hergeben. In der Hoffnung dem Owner am Abend die richtigen Antworten liefern zu können verlasse ich den Ort und den Earthcache wieder.

Die Felsformation Gopala Pabbatha ist die Location des Earthcaches GC4TVED

Das letzte große Ziel in Polonnaruwa heute ist der buddhistische Tempel Gal Vihara. Ich mache es mir auf einem Felsen auf einer kleinen Anhöhe gemütlich und beobachte das Treiben der gläubigen Buddhisten. Es scheint heute ein besonderer Festtag zu sein. Alle Gläubigen sind in weiß gekleidet. Vor Ort gesellt sich ein junger Mönch zu mir. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm woher ich komme und was ich in Sri Lanka mache. Ich erzähle ihm die Geschichte meiner Freundin, die einen Singhalesen geheiratet hat und das anstehende Homecoming-Fest. Es entwickelt sich eine interessante Unterhaltung, in der ich einiges über die Statuen des Tempels lerne. Beispielsweise ist die große stehende Buddha-Statue auf die wir blicken die einzige in der Welt, bei der Buddha seine Arme überkreuzt vor seiner Brust hält. „Es ist der Moment kurz vor seinem Tod“, so der junge Mönch. „Der liegende Buddha symbolisiert seinen Tod“. Es ist wie so häufig in Sri Lanka. Man lernt schnell neue Menschen kennen. Es gibt hier keine Berührungsängste. Die meisten Sri Lanker sprechen ausreichend englisch um Unterhaltungen auch jenseits von „Hallo wie geht’s?“ und „wo kommst du her?“ führen zu können. Ich verabschiede mich. Es geht zurück nach Dambulla.

Meine Zeit hier in Dambulla endet heute. Morgen geht es in den Süden ins kleine Städtchen Ella mit seiner wunderbaren Natur und in den Tagen danach und da freue ich mich besonders drauf, ins Hochland zu den Teeplantagen.

Teil 2 findet Ihr hier: Sri Lanka (2): Cachen zwischen Teeplantagen und eine unglaubliche Zugfahrt zum Backenzahn Buddhas

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