Åland – Zankapfel zwischen Finnland und Schweden und ein äußerst seltener Länderpunkt

Zwei Wochen Cachen im hohen Norden Europas. Das sind zwei Wochen voller Highlights. Wir besuchten zwei Mega-Events, machten einen Abstecher ins Land der Eisbären nach Svalbard und holten uns dort neben unfassbaren Eindrücken auch den seltenen Länderpunkt für Spitzbergen und Jan Mayen. Wir begaben uns zu einer verlassenen sowjetischen Bergbausiedlung im Polarmeer und suchten die Caches am nördlichsten Rand Kontinentaleuropas. Zwei Wochen sahen wir die Sonne nicht untergehen.

In sechs Berichten nehmen wir Euch virtuell mit auf diese Tour:

Wenn Du Deinem Muggel-Bekanntenkreis eröffnen würdest, dass Du gerade Mariehamn besucht hast, würdest Du mit Sicherheit in eine Menge fragender Gesichter blicken. Dabei ist Mariehamn die Hauptstadt eines europäischen Landes. Zumindest für Groundspeak! Und so verwundert es nicht, dass Du bei einer Gruppe Cachern auf eine ungleich höhere Anzahl von Leuten treffen würdest, die gespannt mehr von Deinem Besuch erfahren wollen.

Das besagte Land, dass Ihr auf einer offiziellen Weltkarte als solches vergebens suchen würdet, heißt Åland. Eine Inselgruppe mit über 6000 Eilanden, die in etwa auf halber Höhe zwischen Schweden und Finnland liegt. Ein Land, das als solches eigentlich gar nicht existiert, wofür es jedoch einen Länderpunkt gibt? Grund genug für uns, Mariehamn auf unserer Skandinavien-Tour einen Besuch abzustatten und dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Wir entscheiden uns von der schwedischen Hauptstadt Stockholm aus, mit der ersten Fähre des Tages am frühen Morgen überzusetzen. Die Fahrt dauert etwa sechs Stunden. Die zahlreichen Unterhaltungsangebote der Fährgesellschaft auf dem Schiff nutzen wir nicht, langweilig wird die Überfahrt dennoch nie. Nachdem sich die Sonne erfolgreich durch den morgendlichen Nebel gekämpft hat, lassen wir an Deck die wunderschöne, skandinavischen Küstenlandschaft an uns vorbeiziehen. Körper und Geist können entspannen. Auf dem Weg zum Hafen von Mariehamn passieren wir unzählige kleine und Kleinstinseln. Viele scheinen unbewohnt zu sein, auf anderen erkennen wir mal ein Haus, mal ein kleines Dorf oder Schafe die weiden. Es ist sicherlich nicht einfach, so große Schiffe zwischen den Inseln zu manövrieren. Die Wasserstraße ist teilweise so eng, dass man auf den ersten Blick bezweifelt, ob das Schiff durchfahren kann. Dabei kommt uns das Ufer der Inseln oft sehr nahe.

Erste Eindrücke von Åland und ein weiterer Länderpunkt

Die Zeit auf der Fähre nutzen wir auch um auf dem Außendeck etwas zu schlafen und dabei den seichten Wind der baltischen See auf unseren Gesichtern zu genießen. Gegen Mittag erreichen wir den kleinen Hafen von Mariehamn. Bevor wir die Insel entdecken, möchten wir uns jedoch zuerst den Länderpunkt für Åland sichern und steuern deshalb direkt den Cache „0 i Ålands alfabet – 0-punkten“ (GC7MZGF) in unmittelbarer Nähe zum Hafengelände an.

Unser Weg führt uns nun ins Stadtzentrum von Mariehman. Die Straßen dorthin sind lange Geraden, wie man sie aus Planhauptstädten rund um den Globus kennt. Sie folgen einem Raster, das vom Hafen im Osten der Stadt zum Hafen an ihrem westlichen Ende folgt. Der Asphalt in der Stadt und der gesamten Insel ist rosafarben. Der Grund dafür ist der rote Granit, der rund um die Inseln gefunden wurde und für den Straßenbau hauptsächlich zum Einsatz kam.

Eine weitere Besonderheit sind die großen Alleen mit ihren großzügigen Promenaden in der Mitte der Straße. Hier folgt die Stadt der gleichen architektonischen Struktur wie viele Städte in Russland. Und hierfür gibt es auch einen Grund. Mariehamn wurde im Jahr 1861 gegründet, als Åland und Finnland Teil des riesigen und allmächtigen russischen Reiches waren, das sich von Alaska bis zu diesen Inseln in der Ostsee ausbreitete. Maria Alexandrowna, Gemahlin von Zar Alexander II. Von Russland, gab der Stadt sogar ihren Namen.

Das Großfürstentum Finnland war von 1809 bis 1917 ein mit einer weitgehenden inneren Autonomie ausgestatteter Teil des Russischen Reiches. Es entstand, nachdem das seit Jahrhunderten zu Schweden gehörende Finnland infolge mehrerer russisch-schwedischer Kriege an Russland abgetreten werden musste, und endete infolge der russischen Revolutionen in der Unabhängigkeit Finnlands. Wir ahnen schon, dass dieser Teil der Geschichte ursächlich damit zusammenhängt, dass Cacher sich in Åland über einen eigenen Länderpunkt freuen können und sind gespannt noch mehr von dieser Vergangenheit zu erfahren.

Wir flanieren auf unserem Weg vom Hafen in die Stadt an einer der besagten Promenaden entlang und treffen hier auf unseren nächsten Geocache „St Görans kyrka“ (GC2AD2N)

Der Cache thematisiert die St Görans kyrka, den sakralen Kirchenbau vor dem er versteckt wurde. Göran ist eine mittelalterliche schwedische Form von Georg, dem Schutzheiligen, dem die Kirche geweiht wurde. Kurze Zeit später halten wir diesen, mit fast 600 Favoritenpunkten beliebteste Cache von ganz Åland, in unseren Händen. 

Entspannte Zeit im Stadtzentrum von Mariehamn

Das Stadtzentrum Mariehamns wirkt entschleunigt und bietet seinen Besuchern einige Restaurants, Cafés, Museen und diverse Geschäfte, vergleichbar mit einer deutschen Kleinstadt in der Provinz. Es ist nicht spannend hier aber gemütlich. Obwohl Åland offensichtlich viel in den Tourismus investiert und in diesem Bereich sehr gut organisiert zu sein scheint, wirkt Mariehamn nicht so, als ob es hier viele Touristen geben würde. Wir entscheiden uns vor Ort was zu essen und auch dabei haben wir nicht den Eindruck, dass man hier oft Fremde empfängt. Bestätigung für unsere Vermutung erhalten wir, wenn wir uns die Touristenzahlen angucken. Über 90% der Besucher Ålands sind Schweden und Finnen. Nur selten verirren sich Menschen aus anderen Teilen Europas auf diese schöne Inselgruppe. Dank Geocaching sind es dieses Jahr zumindest zwei Touristen mehr. 

Maritimes Viertel

Wir begeben uns ins „Maritime Viertel“ (Sjökvarteret) von Mariehamn im Osten des Städtchens – etwa 15 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt -, das auf besondere Weise die Schifffahrtsgeschichte der Insel zum Leben erweckt. Die Besucher erhalten hier einen Einblick in den traditionellen Schiffbau. Wir sehen wie Schiffe mit der originalen Ausrüstung längst vergangener Tage gebaut werden. Beim Cache „Det röda landmärket“ (GC5T3H0), was übersetzt soviel wie „Das rote Denkmal“ bedeutet, stehen wir vor einer etwa 10 mal 10 Meter breiten und 13 Meter hohen roten Pyramide.

Direkt am Wasser steht die kleine Seefahrerkapelle (Sjöfararkapellet) aus Holz, die 2008 von Freiwilligen erbaut wurde. Neun Ehen und sieben Taufen, drei philosophische Abend, ein halbes Dutzend Meditations und Yogakurse. Dies ist die Summe des Jahres für die Nutzung der kleinen Seefahrerkapelle an diesem wunderbaren Ort in Mariehamn. In ihrer unmittelbaren Nähe liegt der mit fast 300 Favoritepunkten dotierte Cache „Sjökvarteret“ (GC30PAY)

Das Geheimnis des Länderpunkts befindet sich in GC7B80Z – Sundblom und die Aland-Krise

Es geht zurück in die Stadt, um mehr von der bewegten Geschichte Ålands zu erfahren. Als Finnland 1917 die Unabhängigkeit erlangte, fürchteten die Åländer eine erneute Besetzung ihrer Inseln. Diesmal durch die Bolschewiki. Die Eingliederung von Åland in Schweden, das nicht nur das frühere Mutterland der Åländer war, sondern auch deren Quelle für Sprache und kulturelle Identität, war von großer Bedeutung. Finnland weigerte sich jedoch, seine Inselprovinz aufzugeben.

Wir befinden uns in einem kleinen Park nicht weit vom Stadtzentrum Mariehmans entfernt und stehen vor einem Denkmal, dem der Virtual „Ålandskungen“ (GC7B80Z) gewidmet ist.

Das Denkmal personifiziert Julius Sundblom. Nach der Unabhängigkeitserklärung Finnlands im Jahr 1917 wurde Sundblom eine der führenden Figuren der Åland-Bewegung die es sich zum Ziel gemacht hatte, Åland wieder in Schweden einzugliedern, was in der Aland-Krise mündete. Sundblom wurde von der finnischen Polizei festgenommen, wegen Hochverrats angeklagt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Im Oktober 1920 erhielt er eine Begnadigung vom damaligen Präsidenten Ståhlberg.

Der schwedisch-finnische Streit wurde erst 1921 beendet, als Åland durch Beschluss des Völkerbundes den Status einer autonomen, entmilitarisierten und neutralen Provinz in der Republik Finnland erhielt. Im Jahr 1922 wurde Sundblom der erste Sprecher des Landstinget (später Lagtinget genannt), das im Rahmen der Lösung der Åland-Krise gemäß dem finnischen Autonomiegesetz von 1920 eingesetzt worden war.  Heute ist Åland fast ein kleines Schweden, und die Einheimischen sind sich der Ereignisse in Stockholm bewusster als in Helsinki. Der besondere Autonomiestatus ist der Grund dafür, dass Groundspeak Aland mit einem eigenen Länderpunkt versehen hat über den auch wir uns nun freuen können.

Rückfahrt

Die Zeit unseres Besuchs neigt sich dem Ende. Wir haben mit Marienhamn ein gemütliches und verschlafenes kleines Städtchen erlebt, das unheimlich viel unternimmt, um Touristen die Schönheiten der Insel näher zu bringen. Bei unserem nächsten Besuch werden wir sicher auch eine Expedition in die wundervolle Natur Ålands unternehmen. Mit einem Sammeltaxis geht es abends nach Långnäs im östlichen Teil der Insel. Von hier aus nehmen wir die Fähre zurück nach Stockholm. Unser Besuch eines Staates, der eigentlich gar nicht existiert, geht zu Ende.

Wie kommt man nach Åland

Åland kann man sowohl mit der Fähre als auch mit dem Flugzeug auf bequeme Weise erreichen. Direkte Fährverbindungen gibt es von Schweden, insbesondere von Stockholm, von Finnland und sogar von Estland aus. Mit dem Flugzeug erreicht man den Flughafen Mariehamn aus Helsinki, Stockholm und Turku in weniger als einer Stunde.  

Eine Auflistung der Reisemöglichkeiten und viele weitere hilfreiche Tipps bekommt Ihr auf der offiziellen „Visit Åland“ Website.

Geocaching in Aland

Åland selbst wirbt aktiv mit Geocaching auf seiner „Visit Åland“-Seite. Über 350 auf Groundspeak gelistete Geocaches liegen derzeit auf den Inseln verborgen. Ein großer Teil davon in Mariehamn und der unmittelbaren Umgebung.

6 Kommentare:

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