Bryan Roth, der Chef von Groundspeak im Interview über Adventure Labs, Kreativlogger und die Kommerzialisierung des Spiels

Als President und Co-Funder von Groundspeak ist Bryan Roth  u.a. für das operative Geschäft des Unternehmens verantwortlich.
Im Gespräch mit geoadventures.blog erklärt der Familienvater und Hundefan, wie sich Geocaching wandelt, warum ihn Event-Besuche begeistern, was er von Kreativloggern hält und nimmt Stellung gegenüber Kritikern, die eine zunehmende Kommerzialisierung des Spiels befürchten.

Bryan vielen Dank für das Interview. Wir möchten heute mit Dir über einige Themen sprechen, die derzeit die Geocaching-Community in Deutschland beschäftigen. Wir wollen mit Dir auch einen Blick in die Zukunft des Spiels werfen und dann steht im nächsten Jahr noch ein ganz besonderes Jubiläum an.

Bryan, als Jeremy, Elias und Du im Jahr 2000 Groundspeak gegründet habt, steckte Geocaching noch in den Kinderschuhen. Seitdem haben sich das Spiel und die weltweite Community rasant entwickelt. Hat dich der große Erfolg überrascht und gibt es Sachen die du heute im Rückblick anders machen würdest?

Natur + Technologie = Geocaching
Natur + Technologie = Geocaching

Das ist eine gute Frage. Als wir Groundspeak gründeten waren wir begeistert vom Zusammenspiel aus Technologie und Outdooraktivitäten und wir wollten die kleine Gemeinschaft an Leuten unterstützen, die damals an dem Spiel beteiligt war. Wir konnten uns zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht vorstellen, das Geocaching so groß werden würde, wie es heute ist. Über die Jahre haben wir uns sehr über das Wachstum und das Engagement der Community gefreut. Nach wie vor motiviert uns der Gedanke, dass Menschen überall auf der Welt von ihren Sofas aufstehen und ihre Fernsehgeräte und Videospiele ausschalten, um durch Geocaching zu einer aufregenden Erkundungs-, Entdeckungs- und Abenteuerreise in die Natur aufzubrechen. Hier im Geocaching-Hauptquartier haben wir ein Schild an der Wand hängen auf dem geschrieben steht: „Make Better Mistakes Tomorrow“. Das bedeutet, dass wir auf unserer Reise selbstverständlich Fehler machen, unser Ziel ist es dabei aber aus diesen Fehlern zu lernen und dadurch die Plattform, auf der unser gemeinsame Spiel stattfindet, für alle weiter zu verbessern.

Aus dem „geheimen Spiel“ für wenige ist heute ein Outdoor-Hobby für Jedermann mit Millionen aktiven Spielern geworden, die sich auch gerne im Rahmen von Events treffen und austauschen. Dieses Jahr wird es in Deutschland, neben einer Reihe von Mega-Events, auch wieder zwei Giga-Events geben. Ihr vom HQ seid auch häufig vor Ort. Wo kann man euch dieses Jahr in Deutschland treffen und ist der Besuch von so vielen Events auch manchmal stressig für euch?

Zusammen mit einigen anderen Mitarbeitern (Lackeys) des Hauptquartiers werde ich in diesem Jahr das Giga „Project Hamburg – Im Wandel der Zeit in Hamburg“ (GC77777) in Hamburg besuchen. Ich freue mich schon sehr darauf. Geocaching-Events zu besuchen bedeutet für mich niemals Stress. Ich liebe es die Möglichkeit wahrnehmen zu können mich mit Geocachern zu treffen und mich mit ihnen darüber auszutauschen, was sie an dem Spiel mögen und was nicht, was das Spiel für sie selbst bedeutet und wie es ihr Leben beeinflusst hat. Ich wünschte, ich könnte an jedem Mega- und Giga-Event teilnehmen. Aber angesichts meiner Funktion bei Groundspeak, kann ich jedes Jahr leider nur bei einer begrenzten Anzahl von Events selber vor Ort sein.

„Wir sind nicht bereit die Geocaching-Community oder das Spiel selbst für rein kommerzielle Zwecke auszunutzen.“

Wir werden dieses Jahr unter anderem das Vikingevent 2019 (GC7MR74) in Harstad in Norwegen besuchen. Ein Highlight dort wird die GeoTour HåloGeoTour (GT91) sein. Die Community in Deutschland ist in Sachen GeoTours gespalten. Viele Geocacher erfreuen sich an den in der Regel sehr liebevoll gestalteten Dosen einer GeoTour, andere hingegen befürchten, dass die zunehmende Kommerzialisierung dem Spiel schadet. Was antwortest Du darauf?

GeoTours, Geocaching

Ich glaube wir haben bislang gute Arbeit geleistet um ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen der grundsätzlich nichtkommerziellen Natur des Spiels auf der einen Seite und gewerblichen Anbietern auf der anderen Seite, denen wir einen Zugang zum Spiel ermöglichen, wenn diese sich auf positive Weise für die Community engagieren möchten. Eine Sache die wir im Bezug auf unsere GeoTour Partner, aber auch bei unseren Werbepartnern und allen anderen kommerziellen Projekten in den Vordergrund stellen ist, dass aus der Zusammenarbeit immer auch ein positiver Effekt für die Spieler erwächst. Wir sind nicht bereit die Geocaching-Community oder das Spiel selbst für rein kommerzielle Zwecke auszunutzen. Deshalb ist es sehr wichtig für uns, dass all unsere Projekte, so wie du es ja auch bereits erwähnt hast, in einer liebevollen und schönen Art und Weise der Geocaching-Community gegenüber einen Mehrwert bieten. Geocaching ist ein so facettenreiches Spiel. Jeder Geocacher kann für sich die Aspekte des Spiels frei wählen, die er gerne mag und diejenigen weglassen und ignorieren, an denen er nicht interessiert ist.

Für intensive und kontroverse Diskussionen in der Geocaching-Community in Deutschland sorgen auch immer wieder Fälle, bei denen Mysteriekoordinaten im großen Stil veröffentlicht oder Geocaches systematisch online geloggt werden ohne jemals vor Ort gewesen zu sein. Hast du den Eindruck, dass heute mehr gecheatet wird als früher?

Bereits seit seinen Anfängen wird Geocaching von den Menschen auf unterschiedliche Weise gespielt. Persönlich, aber auch aus Sicht von Groundspeak, finden wir es nicht richtig oder in Ordnung Koordinaten oder Antworten zu Virtual Caches, Earth Caches, Lab Caches oder Mysteries weiterzugeben. Leider ist es schwierig so etwas vollständig zu unterbinden. Gleichzeitig möchten wir auch unseren Standpunkt zu dem Sachverhalt des Schummelns beim Loggen (oder auch „Kreatives Loggen“) noch einmal deutlich zum Ausdruck bringen. Wir sind damit nicht einverstanden. Wir glauben, dass solche Praktiken dem Spiel schaden und die Bemühungen jener Menschen untergraben, die sich die Zeit genommen haben, um für die Community tolle Geocaching-Erlebnisse zu schaffen.

„Ich finde, dass es nicht hinnehmbar ist, wenn Leute beginnen Geocaching auf ein Art und Weise zu spielen, die andere Mitspieler in ihrem Spielerlebnis einschränken.“

Wie stehst du in diesem Zusammenhang zu der Aussage „Geocaching ist doch nur ein Spiel und jeder sollte das Spiel so spielen wie er möchte“?

Geocaching ist in der Tat ein Spiel. Aber wie bei fast allen Spielen gibt es auch beim Geocaching Richtlinien, Regeln und von der Gemeinschaft akzeptierte Formen der Spielgestaltung. Ich finde, dass es nicht hinnehmbar ist, wenn Leute beginnen Geocaching auf ein Art und Weise zu spielen, die andere Mitspieler in ihrem Spielerlebnis einschränken. Ich würde mir persönlich wünschen, dass die diejenigen die das tun, damit aufhören.

Werfen wir einen Blick nach vorne. Neue Spielarten wie Ingress, Pokemon Go oder Munzee richten sich an eine ähnliche Zielgruppe wie Geocaching und nutzen neue Technologien / Spielkonzepte wie Augmented-Reality. Ist Augmented-Reality ein Konzept das in der Zukunft auch verstärkt beim Geocaching zu erwarten ist?

Du sprichst auf unser Augmented Reality (AR) Experiment an, das wir gerade abgeschlossen haben. Wir glauben, dass es erhebliches Potential in Verbindung mit Geocaching bietet. So wie andere innovative Technologien auch.

Groundspeak hat erst kürzlich mit den Adventures Lab Caches einen Feldversuch für eine neue Cacheart gestartet. Eine passende App dazu gibt es auch schon. Wie sehen eure langfristigen Pläne mit den Adventure Lab Caches aus und plant ihr deren Einführung für den Regelbetrieb?

Geocaching, Adventure Labs, App

Wir betrachten Adventure Labs als eine Plattform für Experimente, mit der wir das Kernspiel erweitern können. Wir möchten durch die Nutzung innovativer Technologien das Spielerlebnis steigern und Geocaching für die Spieler noch erlebbarer machen. Wir planen die Adventure Lab Plattform weiterzuentwickeln und sie noch mehr Spielern und Gestaltern zugänglich zu machen mit dem Ziel, mehr Spaß in die Geocaching-Welt zu bringen.

Adventure Lab Caches haben einige parallelen zu Virtual Caches u.a. das keine physische Dose versteckt wird und stattdessen Bedingungen erfüllt werden müssen, damit geloggt werden kann. Wie unterscheiden sich die beiden Cache-Arten und wieso habt ihr euch entschieden die ALC den konventionellen Virtuals vorzuziehen?

Der Wesentliche Unterschied besteht darin, dass es sich bei den Virtuals um eigenständige und ortsbezogene Erlebnisse handelt, während die Adventure Lab Caches es ermöglichen eine erweiterte multimediale Erlebniswelt zu schaffen.

Habt ihr über die Adventure Lab Caches hinaus weitere Konzepte/Ideen/Technologien in der Pipeline an denen ihr gerade für die Zukunft arbeitet?

Ja die haben wir durchaus. Leider sind diese zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht in einem Stadium, um sie öffentlich zu diskutieren.

„Unser Ziel bei der Zusammenarbeit mit der weltweiten Geocaching-Community wird auch mit Blick auf die Zukunft weiterhin darin bestehen Anreize zu schaffen, um hochqualitative Geocaching-Erlebnisse zum Nutzen der gesamten Community möglich zu machen.

Geocaching wird nicht nur durch Groundspeak weiterentwickelt, sondern auch durch die Community selbst (Angelcaches, Owner die neue und innovative High Quality Caches entwickeln, Trend zu Powertrails). Wage mit uns einen Blick in die Kristallkugel und sag uns wie Geocaching in fünf Jahren aussehen wird. Was werden die wesentlichen Unterschiede zu heute sein?

Unser Ziel bei der Zusammenarbeit mit der weltweiten Geocaching-Community wird auch mit Blick auf die Zukunft weiterhin darin bestehen Anreize zu schaffen, um hochqualitative Geocaching-Erlebnisse zum Nutzen der gesamten Community möglich zu machen. Gleichzeitig werden wir aber auch die aktuell bestehenden weniger zufriedenstellenden Geocaching-Erlebnisse angehen. Langfristig glaube ich, dass noch mehr Menschen durch immer mehr neue und kreative Wege noch mehr Spaß bei ihren Freizeitaktivitäten im Outdoor-Bereich haben werden.

Wir hatten es angekündigt. Im nächsten Jahr steht ein besonderes Jubiläum an. Am 3. Mai 2000 vergrub Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Orgeon einen schwarzen Plastikeimer und veröffentliche die Koordinaten im Internet. Geocaching war geboren! Im nächsten Jahr feiert Geocaching seinen 20. Geburtstag. Was habt ihr für dieses besondere Jubiläum geplant?

Ja wir arbeiten tatsächlich gerade an einer 2020 Feier und hoffen der weltweiten Community schon bald Einzelheiten dazu mitteilen zu können.

(Das Interview haben wir auf englisch geführt. Bei der Übersetzung haben wir darauf geachtet die Gedanken unseres Interviewpartners möglichst genau wiederzugeben.)

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