Geocaching auf den Spuren von Graf Dracula. Von Transsilvanien über die Karpaten durch die Walachei.

Mit modernster Satellitentechnik ausgerüstet und der Erfahrung durch das Geocaching auf der Jagd nach dem verschwundenen Sohn des Drachen, des Teufels  – Graf Vlad III der Pfähler.

Prolog

Eine aus Rumänien stammende Kollegin machte mich neugierig. Ihre Schilderungen vom Land, der Natur, den Bräuchen und (grins) dem Essen waren wirklich sehr spannend.

Sie ist in Siebenbürgen aufgewachsen und spricht drei Sprachen fließend (deutsch, rumänisch und ungarisch). Womit man auch schon mitten in der Geschichte Rumäniens angekommen ist.

Besiedelt durch Ungarndeutsche, Donauschwaben und Sachsen ist dieses Land mit den Roma, türkischen Einwanderern und den eigentlichen Rumänen eine Mischung aus Sprachen und Einflüssen.

Das Internet spuckt Worte aus wie: Karpaten, Siebenbürgen, Walachei, Hermannstadt, Donau, Transsilvanien, Kreischgebiet etc. Viele Begriffe, die man doch irgendwann schonmal gehört hat und die in anderen Quellen plötzlich ganz anders heißen! Aha, Städte und Gebiete tragen oft den deutschen, ungarischen sowie ihren rumänischen Namen.

Siebenbürgen (Transsilvanien) eingebettet von den Karpaten erinnert einen unweigerlich an Dracula und an die Person, die Bram Stoker zu dieser Romanfigur inspiriert haben soll, Graf Vlad III.

Und auch hier wenig klare Informationen! Klar ist, es hat den Grafen Vlad III gegeben! Eindeutig belegt sind seine Schlachten, um die Osmanen davon abzuhalten auf ihren Feldzügen weiter nach Europa hinein zu gelangen. Belegt ist auch seine unfassbare Grausamkeit gegen seine Feinde und gegen sein eigenes Volk. Sein Beiname Tepes (der Pfähler) kommt von seiner favorisierten und sehr grausamen Tötungsvariante. Als Mitglied des Drachenordens bekam er den Beiname Draculea (Sohn des Drachen) und auch Sohn des Teufels (Drac). Alles andere ist Spekulation und es werden nur nicht nachgewiesen Orte benannt an denen er geboren sein soll und wo er sich niedergelassen haben soll. So streiten sich zwei Burgen darum die Dracula Burg in Transsilvanien zu sein. Zudem war sein Grab nach einer Öffnung leer, was alle Spekulationen um ihn noch verstärkte.

Kein Wunder, dass der englische Schriftsteller Bram Stoker sich davon zu seinem Roman „Dracula“ inspirieren ließ, der wiederum den besonders hier noch sehr lebendige Aberglaube um blutsaugende Untote (den Vampiren) mit zahlreichen Verfilmungen und Geschichten Nahrung gab.

Da muss ich hin!

„Ich komm dich besuchen im Sommer! Ich schau mir Rumänien an und mach mich auf die Suche nach Vlad III!“

„In meinem Elternhaus kannst Du gerne übernachten! In der Nähe soll er geboren worden sein! Wo wirst Du schlafen, wenn Du unterwegs bist?“

„Zelten?! Im Auto!?“

„BIST DU WAHNSINNIG!!!!! Da gibts Wölfe und Bären! Du darfst nur kommen, wenn Du Dir Hotelzimmer buchst!“

OK! Eine Route war schnell klar; Die Hotels, der Flug und ein Mietwagen gebucht!

Die Spurensuche beginnt

Als ich in Sibiu (Hermannstadt) lande, begrüßen mich in der Nähe die Karpaten. Entlang dieser Gebirgskette ist mein erstes Ziel der kleine Ort Christian (Grossau) indem ich mich mit Getränken eindecke und meinen ersten rumänischen Geocache finde. Eine Wehrkirche (Kirchen, die mit burgähnlichen Befestigungsmauern gegen Angreifer geschützt sind) beherbergt diesen in seiner Mauer, bewacht von unzähligen Störchen auf den umliegenden Strommasten. Biserica fortificata Cirstian – Grossau

Kirchen müssen hier geschützt werden!? Vor wem?

Weiter geht es auf der Landstraße Richtung Westen fast in das Kreischgebiet. Mir fällt die Warnung meiner Kollegin ein: „Du hast Dir zu viel vorgenommen! Die Strassen sind nicht so wie in Deutschland!“

Rumänien
Zwangspause

Eine Schafherde blockiert die Straße! Nach 10 Minuten geht es weiter und der Hirte winkt freundlich zum Dank!

Straßen in Rumänien

Es gibt wenige mautpflichtige Autobahnen, auch neue und gut ausgebaute Landstraßen. Auf letzteren muss man aber mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Kmh rechnen. Pferdefuhrwerke, freilaufende Hunde, Kühe und vor allem nicht gesicherte und nicht gekennzeichnete Schlaglöcher oder fehlende Kanaldeckel drosseln die Fahrt. Mein erstes Schlagloch mit 50 Kmh entdecke und spüre ich bereits nach nur 10 Minuten und denke: „Das war es mit der Achse!“ Ich lerne schnell, dass es günstig ist, hinter einem Einheimischen her zu tuckern. Wenn die ausweichen, tue das auch! Bahnübergänge nur in Schrittgeschwindigkeit!!! Die Stoßdämpfer werden es Euch danken! Und hin und wieder lande ich auf einer Schotterstraße, die auf meiner Karte als fahrbare Landstraße angegeben ist. Ja, ich habe mir zu viel für diese Tour vorgenommen!

Abenteuer Straßen

Als ich in der sehr industriell geprägten Stadt Hunedoara (Eisenmarkt) ankomme kündigt sich ein Gewitter an. An der Burg (Castelul Corvinilor) dann die ersten Blitze. Wie passend, denke ich! Ein Bericht über die Jagd nach Dracula bei blauem Himmel wär ja irgendwie blöd.

Auf dem Rückweg und zum Elternhaus meiner Kollegin in Medias (Mediasch) wähle ich die Autobahn. Es ist schon 16 Uhr und eigentlich habe ich mich für 18 Uhr angekündigt. Könnte klappen!

Ich komme um 20 Uhr an.

Unterwegs Wolkenbrüche und überschwemmte Straßen. Zum ersten Mal kommt mir der Gedanke, dass eventuell Vlad seine Finger im Spiel hat.

Zum Glück komme ich an und der Freundeskreis meiner Kollegin hat auf mich gewartet. „So, Du musst mit, wir gehen jetzt feiern!“ Mit drei Taxis fahren wir in ein Waldrestaurant mit typisch rumänischer Küche. Es wird bestellt bis der Tisch sich biegt. Mit sehr viel Obstbrand genieße ich das Essen und höre in einem Mischmasch aus englisch, deutsch, rumänisch, ungarisch und polnisch was ich mir alles unterwegs ansehen soll. Und ernte Kopfschütteln als ich erkläre was ich mir alles vorgenommen habe. „Hier trink noch zwei! Du bist verrückt!“

Wir wanken zu Fuß durch Mediaschs Altstadt nach Hause und ich stelle erst am nächsten Morgen, als ich dort cache, fest, dass der Kirchturm tatsächlich schief ist. Medias – „The castle“    

Ist er hier geboren?

Durch das hügelige Transsilvanien und durch malerische Dörfer mit eng aneinander gereihten Häusern erreiche ich  Sighisoara (Schässburg).

An dem Cache Kings Brewery finde ich einen Parkplatz und laufe in die Altstadt. Der Turm mit dem Virtual Sighisoara Virtual Cache zeigt mir wo ich hin muss, denn in unmittelbarer Nähe soll das Geburtshaus des Grafen stehen. Dieses Haus beherbergt ein Restaurant in dem ich zu Mittag essen möchte. Gegen einen kleinen Obolus darf man in in das angebliche Geburtszimmer hinauf steigen.  

Nach dem Schreck bestelle ich keine Draculasuppe sondern möchte wissen, ob es einen ungarische Einfluss bei dem Schnitzel gibt. Ja! Auch hier Meister des Panierens! Lecker!    

Hat er hier gelebt?

Vorbei an Burgen und Hügel mit Schafherden erreiche ich am Abend Bran in den Karpaten. Ich beziehe in meinem Hotel das Werwolfzimmer, da das Draculazimmer leider schon belegt ist. Dafür hab ich einen direkten Blick auf die Burg Bran, die im Dunst eines Gewitters beleuchtet ist.

Unbehelligt wache ich am nächsten Morgen auf. (Vollmond ist erst in ein paar Tagen!) Ich wandere durch die umliegenden Wälder und Felder mit meinem Hauptziel, dem ältesten Cache Rumäniens Draculas-Castle Es geht steil einen Berg hinauf und ich finde eine Kuhle mit einem Kreuz. Da der Boden in der Kuhle verdächtig hohl klingt, beginne ich das Laub zu entfernen und etwas zu graben. Ich beginne zu zweifeln, da die Erdschicht auf der vermeintlichen Holzkiste doch etwas zu dick ist. Ich umkreise die Kuhle und kämpfe mit der Cacherneugier und der Angst. Dabei finde ich den eigentlichen Cache! Glück gehabt! Wer weiß was ich in dem Grab gefunden hätte!?

Für den Abstieg wähle ich den seichteren Hang des Berges über Felder vorbei an Secret Fountain und dem Versuch den Weg zu finden, der auf meinem Garmin gut zu erkennen ist. Ein äußerst unfreundlicher Wachhund jagt mich dann in die richtige Richtung. Danke.

Hinter der Burg Bran erfahre ich bei den Caches Stella Maris und Grievance / Plangere mehr über die Geschichte der Burg. Königin Maria von Rumänien ließ hier ihr Herz bestatten. Sie ist es auch, die in der Burg ihre Spuren hinterließ. Graf Vlad trifft man eher auf dem Weg zur Burg in unzähligen Souvenirläden und Gruselhäusern. In zwei Zimmern der Burg gibt es Schautafeln zu Bram Stoker, Dracula und Graf Vlad III. Und ganz sicher hat er hier auch mal übernachtet! 🙂  Transilvanic Conglomerate

Brasov (Kronstadt) besuche ich am Nachmittag und finde nur Teatru Dramatic Brasov alle anderen Caches sind auf Grund der Muggledichte nicht machbar.


Schlammvulkane sein mögliches Versteck?

Ich fahre am Morgen durch die Karpaten Richtung Süden. In Sinaia einem schönem Ski-Ort möchte ich eigentlich pausieren was mir mangels Parkplatzangebot misslingt.

Durch den nördlichen Teil der Walachei fahre ich zu den Schlammvulkanen bei Berca Mud Volcanoes.

Rumänien

Der Wächter am Eingang zu dem Gebiet ermahnt mich, den Schlamm nicht zu berühren und auf gar keinen Fall zu rauchen. Auf dem aus getrocknetem Schlamm entstandenen Areal sind mehr als ein Dutzend kleine und große Vulkankrater aus denen eine schlammige nach Erdöl riechende Masse blubbert und dieses Gebiet damit wachsen lässt.

Als ich am Rande die vom Regen ausgewaschenen Schluchten untersuche, vertreibt mich ein heran rollendes Gewitter. Ich möchte nicht erleben wenn das hier alles aufweicht.


Das Donaudelta ein idealer Ort zum Untertauchen?

Walachei
Die Walachei

Durch die endlos langweilige Walachei erreiche ich in Braila den Beginn des Donaudeltas. Hier beginnt sich der Europäische Strom aufzugliedern und bildet ein sumpfiges, schilfiges und kaum besiedeltes Gebiet vergleichbar mit dem Saarland (die Größe).

Ein meisterhaftes TETRIS erlebe ich mit der Überfahrt der Fähre. Bis der Kapitän los fährt, werden die Fahrzeuge solange umgeparkt bis der letzte Zentimeter darauf genutzt ist.

In Tulcea beziehe ich mein Hotel und informiere mich entlang der Uferpromenade schlendernd über die Angebote der Wassertaxis und ihre Touren. Man kann unter verschiedenen Touren wählen, um die reiche Vogelwelt zu bestaunen. Oder wie ich am nächsten Morgen, um zu dem Ferienort Sulina am Schwarzen Meer zu gelangen.

Danube Delta Museum kann ich schnell finden. Am Old train engine dauert es dafür länger. 

Rumänien

Als mich das Wassertaxi in Sulina ablädt, mache ich mich auf den Weg zum Strand am schwarzen Meer. Zwei FP Caches liegen dabei auf dieser Strecke.

Sulina-Farul Comisiei Europene a Dunrii de Jos macht besonders viel Spaß, da die Leuchtturmwärterin eingeweiht ist und sich dabei köstlich amüsiert, mich lange suchen und zappeln zu lassen! Ohne sie findet man ihn nicht!

Auf dem Friedhof dann noch der Tradi Sulina Cemetary der im Listing auf ein besonderes Grab verweist, das eines Piraten. Bei strahlendem Sonnenschein ist mir klar dass ich hier nicht auf Dracula treffen werde.

Am Meer angekommen spring ich in die Fluten und schaue sehnsüchtig auf die Küste der Ukraine. Auf Grund der zeitlichen Fehlplanung dank der Straßenverhältnisse, habe ich den Ausflug nach Moldawien und in die Ukraine gestrichen. Schade, dass es keinen halben Länderpunkte bei Sichtweite gibt. [;)]

Beim Sonnenbad beobachte ich eine Gruppe von Leuten. Irgendwas interessantes scheinen sie auf dem Boden entdeckt zu haben. Sie winken mich herbei und zeigen ihren Fund. Das ist ein Delfinskelett erklären sie mir. Es sind  dänischen Biologie-Studenten, die sich hier auf Studienfahrt befinden. Sie zeigen mir ihre Fotobeute, Pelikane, Reiher, Schildkröten, Schlangen uvm. Ein Paradies für Biologiestudenten! Als ich ihnen mein Vorhaben schildere, grinsen sie sich wissend an! „Hier bist Du richtig! Warte auf die Dämmerung und Du wirst ihn treffen!“

Ähhhhh!? Echt jetzt?! Ich denke an den schaurigen Friedhof, den seltsamen Typ in dem abgedunkelten Krämerladen, den Wassertaxifahrer mit der Sonnenbrille.

Im Hotel warte ich voller Furcht auf die Dämmerung. Leichtsinnig schlafe ich bei offener Balkontür ein und werde von Dracula geweckt!

In Gestalt hundert blutsaugender Mücken fällt er über mich her und es beginnt ein Kampf um Leben und Tod. Ich gewinne den Kampf in meinem Zimmer nur durch den Schutz tausender Kruzifixe aus Polyester, die ein dichtes Netz bilden und so verhindern, dass weitere Millionen Mücken eindringen können.

Tulcea
Sie kommen……

Bei meiner Flucht Richtung Süden erkenne ich seine Übermacht. Dunkle, sehr tief liegende Wolken entpuppen sich als Schwärme aus Milliarden dieser Blutsauger. Zum Glück geben die echten Wolken langsam die Sonne frei und der Spuk hat ein Ende!

Rumänien

Erleichtert komme ich in Bukarest an und stehe staunend vor dem Bau eines weiteren Blutsaugers. Ceausescus Regierungspalast ist das zweitgrößte Gebäude der Welt und ich frage mich, ob es darin eine eigene Buslinie gibt.

Die Caches (MR) Casa Poporului Nickels & Dimes und der Virtual Casa Poporului vor und neben dem Palast sind schnell erledigt. Ich beeile mich, denn am Abend bin ich auf einer Geburtstagsparty in Medias eingeladen und ich muss noch über die Karpaten.

Die Transfogarasche Hochstraße DN 7C ist spektakulär. Leider ist sie an diesem Samstag komplett überfüllt und alle Park- und Rastplätze sind restlos verstopft. Nur am  Lac Vidraru  und Transfagarasan gelingt mir ein Halt und ein Log. Für diese Passstraße unbedingt einen kompletten Tag einplanen!

Wieder komme ich viel später an als angekündigt. Kurzer Hand werde ich in den Pool geworfen (Strafe muss sein!) Wobei dieser selbstgebrannte Schnaps mich am nächsten Morgen noch genug bestrafen wird!

Rumänien

Meinen letzten Tag in Rumänien verbringe ich mit gemütlichen Cachen auf dem Weg nach und in Sibiu (Hermannstadt).  Biserica fortificata Copsa  Mica-Kiskapus und Biserica fortificata Axente Sever-Frauendorf sind Caches auf dieser Strecke an Wehrkirchen der Dörfer.                            

Epilog

  • Dracula habe ich nicht wirklich gefunden! Es sei denn als Souvenir Made in China. Als schaurig schönes Mysterium soll er fortbestehen, vor allem als Zugpferd, um Reisende in dieses interessante Land zu locken!
  • Dieses Land zu bereisen braucht Zeit! Die wunderschönen Landschaften in ihren extremen Unterschieden zu erleben ist alleine die Reise wert. Die Berge der Karpaten, die Wasserlandschaften des Donaudeltas mit seinen Tieren und die Hügel, Burgen, Städte Transsilvaniens sind wunderschön. Nur jemanden redensartlich in die Walachei schicken werde ich wohl niemals mehr tun! [:)] Das wäre zu grausam!
  • Besonders bewegt haben mich die unzählig überfahrenen Hunde an den Straßenrändern. Ganze Rudel von Straßenhunden sind in ganz Rumänien herrenlos unterwegs.
  • Man sieht herausgeputzte Städte, Vorzeigepracht in der Hauptstadt aber auch halb verlassene Dörfer und verfallende Gebäude. Reich und Arm klaffen hier weit auseinander, so mein Eindruck.
  • Auf einer Schotterstraße in ein Dorf zu gelangen, dass aus wenigen Häusern besteht und deren Bewohner einen zufriedenen, glücklichen Eindruck machen, unterstreicht den Tipp, den ich von allen Freunden meiner Kollegin erhalten habe.
  • So wie Andrasch! „Komm wieder und verbring mit uns eine Woche in solch einem Dorf!“ „Ohne Strom, ohne WLAN und Wasser aus dem Brunnen wirst du geerdet!“ „Du wirst erleben, was wichtig ist in Deinem Leben!“ Grinst und nimmt mich in den Arm! [:D]

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