Geocachen auf Guernsey und Jersey – Inselhopping zwischen Ebbe und Flut

Traumhafte Strände, Lost-Places aus dem Zweiten Weltkrieg, britisch-französische Fusionsküche und zwei vergleichsweise selten vergebene Länderpunkte. Das sind nur einige Besonderheiten der beiden größten Inseln im Ärmelkanal. Wir haben sie drei Tage lang besucht und dabei Geocaching in seiner ursprünglichen Form erlebt. Geocachen auf Guernsey und Jersey bedeutet Cachen nicht der Dose, sondern des Ortes wegen, der gezeigt werden soll. Und sehenswerte Orte gibt es dort reichlich.

Adieu La France – Cachen im historischen Stadtkern von Saint-Malo und Abfahrt zu den Kanalinseln

St. Malo Stadtmauer

Befestigungsanlage von Saint-Malo und Hüterin einer Cacheserie

Nach dem Geocachen am Mont-Saint-Michel und der Suche nach dem Heiligen Gral kommen wir bei Starkregen und Gewitter noch in der Nacht in der Küstenstadt Saint-Malo an. Hier wollen wir uns stärken und übernachtet, um am nächsten Tag die Fähre nach Guernsey zu nehmen. Am nächsten Morgen geht es schon früh los. Nach einem klassischen französischen Frühstück mit Feingebäck und Croissants in der Hoteleigenen Brasserie, wollen wir -noch vor unserer Abfahrt- Saint-Malo erkunden. Unser erstes Ziel, der Cache Saint-Malo extra muros hilft uns bei der wichtigsten Erkenntnis diese Tour ! Unterschätzt die Gezeiten hier nicht! Der Cache liegt auf einer kleinen Insel, die über einen Weg nur bei Ebbe erreichbar ist! Während wir dorthin laufen sieht alles noch gut aus. Keine 5 Minuten später, beim Blick über das Logbuch zurück zum Weg, gehen unsere Münder und Augen weit auf. Dieser ist schon überflutet! Nach einem Sprint den Hügel hinab und Barfuß durchs Wasser erreichen wir das Festland und staunen beobachtend, wie schnell das Wasser hier bei einem Tiedenhub von bis zu 12 Metern in dieser Region steigt. Weitere Caches, die nur bei Ebbe zu finden sind, rutschen nach dieser Erfahrung in unserer to-do-Liste vorsorglich weit nach unten!

Weiter geht es in den historischen Kern von Saint-Malo, der wie eine Halbsinsel im Meer liegt. Die Stadtmauer wird jetzt -bei Flut- von drei Seiten von den Wellen des Atlantiks umspült. Die Festungsanlage selbst ist der Mittelpunkt der Tradi-Serie Saint-Malo #X (GC2Q13X), die uns zu alle Ecken der Altstadt führt. In den schmalen Pflastergassen reihen sich bunte Boutiquen und zahlreiche Restaurants aneinander. Hoch oben entlang der Wehrmauer können wir den Blick über das Meer und die weißen Sandstrände schweifen lassen. Der Hafen ist auch zu sehen. Dort müssen wir nun hin, denn unser Tagesziel liegt noch einige Seemeilen entfernt.

Angekommen am Hafen bereiten wir uns auf die Überfahrt vor. Die Fähren sollten im Voraus gebucht werden, denn sie sind Tide-abhängig und fahren nicht regelmäßig. Besonders Guernsey wird seltener angefahren. Wir hatten uns deshalb und auch aufgrund der wesentlich höheren Hotelpreise auf Guernsey, bereits im Vorfeld dafür entschieden, die nördlichste Kanalinsel nur im Rahmen eines kurzen Aufenthaltes zu besuchen und im Anschluss direkt nach Jersey weiter zu fahren.

Zwischenstopp in Guernsey – Erkundung des malerischen Küstenstädtchens und unser erster Länderpunkt der Tour

Guernsey St. Peter Port

Blick über die Dächer von St. Peter Port von „Rooftop View“ (GC38E5E) aus.

Nach etwa anderthalb Stunden kommen wir im Hafen der Haupstast Guernseys St. Peter Port an. Die Insel gehört, genauso wie Jersey, nicht zum Vereinigten Königreich. Beide sind deshalb auch nicht dem britischen Parlament unterstellt, sondern als Vogtei im Besitz der britischen Krone. Sie haben ihre eigenen Verwaltungen, Gesetze und  Währungen. Das Guernsey- und das Jersey-Pfund werden als Zahlungsmittel nur auf den Inseln selbst anerkannt. Da das Englische-Pfund ebenfalls akzeptiert wird und auf dem Festland auch wieder umgetauscht werden kann, sollte man die Inselwährungen auch auf den Kanalinseln ausgeben oder als Andenken mitnehmen. Ein brisantes Detail kann man im Wasserzeichen der Scheine des Jersey-Pfunds entdecken! Beim Englischen-Pfund ist es Queen Elisabeth, beim Jersey-Pfund… 😉

 

Geocache St. Peter Port Guernsey

Piggies‘ End (GC388GW)

Des Weiteren haben Guernsey und Jersey jeweils ein eigenes Steuerwesen mit einem sehr niedrigen Steuersatz, der die Inseln zu den letzten sogenannten Steuroasen Europas macht und viele Firmen und Investoren anlockt. Sie haben aber auch eine weitere -bereits erwähnte- Besonderheit, die sie vor allem für Geocacher interessant macht. Groundspeak honoriert das Finden eines Caches auf diesen beiden Inseln jeweils mit einem eigenen Länderpunkt. Den ersten Länderpunkt für Guernsey wollen wir uns nun -nachdem wir von Board gegeangen sind- schnappen und einige Dosen in St. Peter Port suchen.

Die Dose Apples and Pears (GC3D15Q) begrüßt uns direkt nach dem Ausstieg aus der Fähre im Hafenbereich. Es herrscht gerade wenig Betrieb und so stellt das Suchen, Finden, Bergen und Wiederverstecken kein Problem dar. Klasse! Der Länderpunkt Guernsey ist damit gesichert. Enstpannt können wir nun das pittoreske Städtchen besichtigen und uns, ganz nebenbei, weiteren Dosen widmen. Dazu gehört auch Cruise Control (GC5VYQC), bei dem wir etwas länger suchen müssen.

Ein Hummerrestaurant bei Piggies‘ End (GC388GW) macht Apettit und eine schöne Aussicht über die Dächer von St. Peter Port genießen wir von Rooftop View (GC38E5E).

Die letzte Dose auf Guernsey stellt uns vor eine besondere Herausforderung. Dandilly’s Wedding series: The Transport (GC2931N) liegt äußerst muggel-ungünstig direkt an einem der belebtesten Abschnitte der Promenade. Hier sind Täuschung,  Kaltschnäuzigkeit und Schnelligkeit gefragt. Tatsächlich gelingt uns der Zugriff ohne dass Muggels dies registrieren können. Im Anschluss müssen wir das gemütliche Städtchen St. Peter Port und die Insel Guernsey auch schon wieder verlassen. Die Fähre nach Jersey legte bald ab!

Jerseys Hauptstadt St. Helier ist deutlich größer und bei weitem nicht so gemütlich wie St. Peter Port. Das fällt uns bereits bei der Ankunft auf. Sie ähnelt einer mitteleuropäischen Kleinstadt mit ihrer hektische Betriebsamkeit. Da wir uns entschieden haben ohne Auto (Hilfe Linksverkehr!) die Insel zu erkunden, geht es mit dem Bus zum Hotel.

 

Jersey Tag 1 (Westküste) – Grandiose Aussichtren, Lost Places und ein einsamer Leuchtturm

Jersey Algen Allzweckkleber

Allzweckkleber auf der Suche nach dem Cache

Das dichte Busnetz auf Jersey bietet,vom zentralen Busbahnhof ausgehend, die Möglichkeit alle Ecken der Insel für kleines Geld zu erreichen. Ein Tagesticket gibt es bereits für 8 Euro. Der Bus ist entsprechend unser Transportmittel der Wahl. Unser heutiges Ziel ist die Westküste der Insel mit ihren vielversprechenden Earthcaches, Höhlen und Felsbrücken. Dort angekommen beginnt unsere Tour jedoch direkt mit einem DNF. Etwas enttäuscht schlendern wir weiter und erreichen kurz darauf einen herrlichen und menschenleeren Sandstrand. Es herrscht gerade Niedrigwasser. Zu sehen sind die sogenannten „Moonwalks“, die entstehen, wenn sich das Wasser zurückgezogen hat und die Landschaft tatsächlich ein bisschen so aussieht, wie sie Neil Armstrong 1969 auf dem Mond vorgefunden haben muss. Wir wenden uns dem Tradi Party a la Plage (GC2KVTW) zu. Hier haben wir mehr Glück. Unseren ersten Cache auf Jersey können wir nach kurzer Suche finden und damit auch diesen begehrten Länderpunkt einheimsen. Die Party für den Länderpunkt verschieben wir jedoch lieber auf abends.

 

 

In der Nähe eines Leuchturms noch schnell den Donkey Vista (GC3K9Y8) bevor wir den schmalen Fußweg hinauf auf die Klippen nehmen.Oben angekommen eröffnet sich uns ein spektakulärer Ausblick auf das Meer und die schroffen Felsformationen, die von hunderten von Möwen in Beschlag genommen werden. Dahinter, saftige grüne Wiesen, die an Irland erinnern. Untermalt wird dieses herrliche Naturbild zusätzlich durch die bizarren Felswattgebiete und die bereits beschriebenen einsamen Sandstrände. Geocachen in dieser prächtigen Natur ist ein ganz besonderer Genuß.
Jersey Lupus Hyacintho Meer

Lupus und das Meer!

Da Jersey ab 1940 von deutschen Soldaten besetzt war, es aber bei der Landung der Alleierten in der Normandie als zu unwichtig betrachtet wurde, kam es hier nie zu Kampfhandlungen. Die hier erbauten Verteidigungsbunker sind daher noch gut erhalten. Das Gebiet dass wir hier durchwandern ist voll davon! Lost Places überall! Wir wundern uns über so wenige Caches bei so vielen Lostplaces. Bizzar wirken die beiden Gegensätze manchmal. Auf der einen Seite das friedliche Naturidyll und auf der anderen Seite und mittendrin, menschliche Werke die auf die absolute Zerstörung ausgerichtet waren.
Unser Zeitplan kommt ins Stocken und da wir alles eingehend untersuchen und auch immer wieder staunend die Klippen und die Aussicht auf das Meer genießen, werfen wir diesen kurzerhand über Bord. Am schon von weitem sichtbaren und sehr charakteristischen Bunkerturm wenden wir uns mit Look out Sark (GC63D7A) dem nächsten Cache zu. Wie der Name es vermuten lässt, haben wir von hier aus einen freien Blick auf die letzte (Teil-)Feudalherrschaft Europas, die Insel Sark.
Am Nordwestzipfel der Insel angekommen, steigen wir in einen Bus und fahren wieder ein Stück zurück zum Leuchtturm La Corbiere. Er ist ein Wahrzeichen von Jersey und ziert auch die 5-Pfund Banknote der Insel. Die bis weit in die offene See hineinreichenden Felsen und die extremen Tidenschwankungen machen die Seefahrt in diesem Bereich extrem tückisch. Unzählige Schiffswracks in der unmittelbaren Umgebung von La Corbiere zeugen davon. Dennoch dauerte es bis in die 1860er Jahre, bis ein Leuchtturm an dieser Stelle ins Gespräch kam. Ausgewählt wurde schließlich eine etwa 500 Meter der Küste vorgelagerte Gezeiteninsel, die nur bei Ebbe zu Fuß erreichen ist. Die Ebbe wollen auch wir nutzen um den Earthcache La Corbière (GC2J7ZC) im Südwesten loggen zu können. Der Cache ist auch gleichzeitig der letzte des heutigen Tages.
Jersey La Corbier

Der Leuchtturm von La Corbière bei Ebbe. Er hütet den EC (GC2J7ZC).

Jersey Tag 2 – Ein unerreichbarer Turm und die Rückkehr nach Kontinentaleuropa

Zweiter und letzter Tag auf der Insel Jersey. Der Tradi L’Avarizon (GCWNGX) macht uns neugierig. Das Versteck, ein alter Verteidigungsturm (Seymour Tower) aus dem 18. Jahrhundert, liegt zwei Kilometer weit im Meer und ist nur bei Ebbe erreichbar. Dass wir ihn heute nicht erreichen werden ist wahrscheinlich. Zum einen herrscht derzeit Flut und zum anderen würden wir diese Dose tatsächlich nur mit einer geführten Wattwanderung eines Ortskundigen angehen. Ungeachtet dessen wollen wir den südöstlichsten Punkt Jerseys heute erwandern und entdecken.

Unser erster Geocache ist der Earthcace Millenium Standing Stone (GC7MEXQ) an der Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel, von wo aus es im Anschluss mit dem Bus nach Le Hocq an die südöstlichste Spitze der Insel geht. Dort wartet mit Peerless? (GC6168K) ein weitere Earthcache auf uns. Von hier lassen wir unseren Blick auf den Seymour Tower schweifen und da Lupus Hyacintho nicht hin schwimmen will, bleibt es bei dem Blick! Diesen Cache würden wir sicher nur mit einer geführten Wattwanderung angehen wollen! Hier fällt uns wieder ein schöne Besonderheit  ins Auge. Bereits seit unserer Ankunft in Jersey bemerken wird die vergleichsweise vielen Sitzbänke in unmittelbarer Nähe zum Strand. Auf ihnen sind kleine goldene Täfelchen besfestigt, die mit einigen schönen Worten an bereits verstorbene Insulaner erinnern. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um Menschen handelt, die auf hoher See bestattet wurden und die Bänke den Angehörigen als Ort dienen, an denen sie hingehen können, um an ihre Liebsten zu denken.

Weiter gehts zur Serie Between La Rocque and a Hard Place die uns ins Innere der Insel führt.  Dort können wir die ganze frühlingshafte Naturpracht der Insel erleben. Hier gleicht Jersey wahrlich einem üppigen Garten im Meer. Der milde Golfstrom und die geschützte Lage der Insel in der Bucht von Saint-Malo, lässt eine außergewöhnliche Pflazenwelt florieren. Hier wachsen sowohl Pflanzen, die man aus dem Mittelmeerraum kennt (Palmen, Drachenbäume, Kamelien)  als auch jene, die in den gemäßigteren Breiten Zentral- und Nordeuropas dominieren (Ginster, Nadelgewächse). Vor allem der knallgelbe Ginster sticht hier an der Südostküste Jerseys heraus.

Die Zeit für die Abfahrt von der Insel naht. Wir wandern zum Le Hocq Tower wo wir uns nochmal mit einem kleinen Snack stärken und dem gleichnamigen Tradi Le Hocq Tower (GC4HFZW) einen Besuch abstatten. Dann wird es auch schon Zeit für den Checkin an der Fähre. Wir haben noch etwas Zeit für Waiting to Set Sail bevor es zurück nach St. Malo geht.

Fähre Jersey St. Malo

By by Jersey

 

 

 

 

 

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